Der heilige Josef: Ein guter Ehemann und Vater

Josef war bestimmt ein wunderbarer Ehemann und Familienvater. Er ist also bestimmt ein guter Fürsprecher für alle, die einmal einen guten Mann finden wollen. – Zum Sankt-Josefs-Tag, dieses Jahr am Montag, den 20. März, eine Predigt von Prälat Christoph Bockamp vor Schülerinnen

Opus Dei - Der heilige Josef: Ein guter Ehemann und Vater

Vor etwa 500 Jahren lebte die heilige Teresa von Avila. Sie war eine starke Frau und hat in schwierigen Umständen viele Menschen zu Christus geführt. Kurz nachdem sie ins Kloster eingetreten war, wurde sie sterbenskrank. Aber die Ärzte konnten ihr nicht helfen. Da wandte sie sich an den heiligen Josef und wurde gesund. Seit damals hatte sie eine tiefe Verehrung zu ihm. Fast alle Klöster, die sie gründete, hat sie nach dem heiligen Josef benannt.

Einmal war sie mit anderen Schwestern und mit Begleitung in einer armseligen Kutsche unterwegs zu einer neuen Gründung. Der Weg wurde immer schwieriger und sie näherten sich einer gefährlichen Schlucht. Teresa hatte ein mulmiges Gefühl und empfahl allen: Bitten wir Gott und den heiligen Josef um Hilfe für den rechten Weg!

Da hörten sie plötzlich eine Stimme, wohl von einem alten Hirten: Haltet an! Ihr verunglückt, wenn ihr weiterfahrt. – Sie wussten nicht weiter. Dann hörten sie wieder die Stimme: Fahrt langsam zurück. Hundert Radumdrehungen hinter euch ist der richtige Weg! Ein kleiner Junge lief voran – und tatsächlich: Da war der Weg. Nun versuchten alle, den Hirten zu finden, um ihm zu danken. Umsonst.

Die heilige Teresa strahlte und sagte tiefbewegt ihren Schwestern: Es tut mir leid, dass sie weiter suchen, denn sie werden niemanden finden. Aber wir können ihnen ja auch nicht sagen, dass dies die Antwort des heiligen Josef auf unsere Bitten hin gewesen ist.

Die heilige Teresa hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Verehrung des heiligen Josef weit verbreitet hat. Er ist klar, dass der heilige Josef ein großer Fürsprecher ist, denn Jesus wird ihm so leicht keinen Wunsch abschlagen.

Nun können wir die Frage stellten: Um was könnten wir, könnte ich den heiligen Josef bitten? – Zum Beispiel: Um Hilfe, wenn wir den Weg verlieren oder in Gefahr sind; bei Krankheiten oder um Hilfe, damit wir gut arbeiten und ihr das Abi schafft – und vieles andere mehr.

Aber ich kann mir vorstellen, dass ihr alle – oder fast alle – ein wichtiges Anliegen auf dem Herzen habt. Die Älteren vielleicht mehr, die Jüngeren noch weniger. Es ist ein Anliegen, bei dem der heilige Josef besonders gut helfen kann. Und ich will auch erklären, warum.

Um welches Anliegen handelt es sich denn? – Ich sage es ganz direkt: Einen guten Ehemann!

Vielleicht werden jetzt viele abwinken. So weit bin ich noch nicht. Ob ich überhaupt mal heiraten will... Ich möchte trotzdem wetten, dass viele von euch wenigstens manchmal von einem guten Mann träumen und mit ihm ein schöne Familie und ein Zuhause gründen wollen. Klingt romantisch, vielleicht „uncool“, aber ich glaube, dass ich doch nicht ganz falsch liege. Mir scheint das auch ganz normal zu sein. Eine gute Ehe mit Kindern ist ein großes Geschenk für das Leben.

Warum soll denn der heilige Josef ausgerechnet da ein guter Helfer sein? Antwort: Weil er selbst ein guter Ehemann war und ein guter Vater ist.

Er war ein guter Ehemann. Er liebte seine Frau Maria aus ganzem Herzen. Als er erfährt, das sie ein Kind erwartet – nicht von ihm – da will er sich rücksichtsvoll zurückziehen. Er spürt, da ist um seine geliebte Frau ein großes Geheimnis. Gott ist hier am Werk. Er will nicht stören. Er denkt nicht nur an sich, an seine Bedürfnisse, er ist kein Egoist.

In der Schrift heißt es, dass er „gerecht“ ist. Das bedeutet so viel wie treu: Treu zu Gott und treu zu den Menschen. Man kann sich auf ihn 100% verlassen. Was er sucht, ist den Willen Gottes. Und er ist ein Mann der Tat. Als er schließlich erfährt, dass dieses Kind von Gott ist und er sich an Vaters statt um es kümmern soll, da ist er direkt bereit. Wie wird er sich angestrengt haben, Maria den Weg und den Aufenthalt in Betlehem – in einem Stall – zu erleichtern! Das ist sein Profil: Liebevoll, rücksichtsvoll, mit Blick auf Gott, ein Mann der Tat und der Arbeit. Ein wunderbarer Ehemann!

Er ist ein guter Vater, auch wenn er nicht der Erzeuger ist. Denn dieses Kind ist Gottes Sohn – Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch! Er wird dieses Kind als ganz besonderes Geschenk Gottes angesehen haben. Josef war bestimmt ganz vernarrt in das Kind. Er wird ihm viel Zeit geschenkt haben und auch den Beruf des Zimmermanns beigebracht haben. In der Erziehung ist auch der Vater wichtig. Er gibt dem Kind Sicherheit, Geborgenheit und Selbstbewusstsein. Und auch die Erziehung zur Frömmigkeit ist nicht nur Aufgabe der Mutter.

Maria wird den heiligen Josef immer wieder motiviert haben, sich mit dem Kind Jesus zu beschäftigen. Eine kluge Frau motiviert ihren Mann. Sie bringt ihm Vertrauen entgegen. Wenn er immer wieder hört, dass er sich ungeschickt anstellt, dass er im Umgang mit den Kindern fast alles falsch macht, dass sie ihm ständig Ratschläge gibt, dann wird er sich am Ende zurückziehen. Er braucht Freiheit und Vertrauen.

Maria und Josef waren sich ihrer Verantwortung bewusst und haben eng verbunden eine liebevolle und aufmerksame Atmosphäre in der Familie von Nazareth geschaffen. Der heilige Josefmaria war so tief von ihrer großen Gemeinsamkeit überzeugt, dass er seine beiden Vornamen Josef und Maria immer zusammenschreiben wollte. Maria und Josef gehören untrennbar zusammen!

Josef war ohne Zweifel ein ganz wunderbarer Ehemann und Familienvater. Maria hat ihn sich ausgesucht und vor allem Gott, der ihn an Vaters statt haben wollte. Er ist also bestimmt ein guter Fürsprecher für alle, die einmal einen guten Mann finden wollen!

Und für uns alle ist er ein guter Helfer und Begleiter auf unserem Lebensweg zu Gott, ja zum Himmel. Wie kein anderer kann er uns helfen, ein liebevolles Leben aus dem Glauben zu führen. Denn was bedeutet denn Leben aus dem Glauben? Leben aus dem Glauben bedeutet täglichen Umgang mit Jesus Christus. Und auch Umgang mit Maria, der Muttergottes. Wer könnte uns da besser helfen als Josef, der dreißig Jahre lang Tag für Tag mit Jesus und Maria unter einem Dach lebte, der mit ihnen gelacht, gegessen, gearbeitet, gefeiert und auch gelitten hat?