Don Alvaros Einsatz für die Priester

Die zur Zeit noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegende Biographie über Alvaro del Portillo von Javier M. Bayo schildert den Einsatz des Prälaten des Opus Dei in den 80er Jahren für die Ausbildung der Weltpriester aus allen Teilen der Erde. Wir bringen informative Auszüge aus den entsprechenden Kapiteln.

Priester und Priesteranwärter aus der ganzen Welt studieren, gesandt von ihrem jeweiligen Bischof, an der Universität vom Heiligen Kreuz in Rom, von der der hl. Josefmaria geträumt und für die sein Nachfolger, Bischof Alvaro del Portillo, sich eingesetzt hat, bis sie Wirklichkeit wurde. Geleitet wurde dieser von seiner besonderen Sorge um die Ausbildung der Priester. Es war eins seiner größten Anliegen, dass die Priester ihr Studium der Theologie beständig vertieften und sich auch um ihre menschliche Bildung kümmerten, damit ihr pastoraler Dienst wirksamer wird. Nicht zu Unrecht ging er auch davon aus, dass bereits ihre Art, aufzutreten und zu sprechen, für die ihnen anvertrauten Gläubigen eine Hilfe oder ein Hindernis wären, ihnen als Vertreter des Amtspriestertum Respekt und Verehrung zu empfinden. Diesen Aspekt entwickelte er in seinen Schriften und auch in Gesprächen mit Bischöfen, Seminarleitern und natürlich mit den Priestern selbst.

Vorraussetzungen für die Errichtung der Hochschule

Als 1983 der dornige Rechtsweg des Opus Dei mit der Errichtung als Personalprälatur als abgeschlossen betrachtet werden konnte, hielt Bischof Alvaro den Zeitpunkt für gekommen, das Projekt eines Zentrums für kirchliche Studien in Rom in Angriff zu nehmen. Es würde selbstverständlich mit der Autorisierung des Heiligen Stuhls errichtet und der Personalprälatur anvertraut werden.

Wenn man bedenkt, dass Bischof Alvaro damals fast siebzig Jahre alt war, handelte es sich um eine weitere „unmögliche Aufgabe“, die er sich in den 19 Jahren seines Lebens an der Spitze des Opus Dei vornahm. Aber wie immer rechnete er vor allem mit Gottes Gnade für dieses Projekt im Dienst der Kirche, das gewiss auf nicht wenige Hindernisse stoßen würde, die er mit einer gehörigen Dosis Glauben und Optimismus anzunehmen bereit war. So bedurfte es einerseits eines entsprechenden Kollegiums von Professoren und Dozenten und der nötigen materiellen Voraussetzungen. Des Weiteren schien die Zahl der Höheren Kirchlichen Studieneinrichtungen, die es zu der Zeit in Rom gab – die meisten mit einer langen Tradition – mehr als ausreichend. Und schließlich waren die nachkonziliaren Jahre gekennzeichnet von einer Abnahme der Priester- und Ordensberufungen, was die Aussicht auf eine rege Nachfrage nach Studienplätzen eher reduzierte. Daher betrachteten nicht wenige, die um das Projekt wussten, eine neue Universität an den Ufern des Tiber als überflüssig.

Eine offensichtliche Verrücktheit

Aber der Wunsch von Bischof del Portillo, der Kirche zu dienen, ließ sich von diesen Bedenken nicht bremsen, auch nicht von den objektiven Schwierigkeiten. Als er seine Vorstellungen einem seiner Mitarbeiter in der Leitung des Opus Dei, Doktor Rolf Thomas, mitteilte, äußerte sich dieser nach kurzer Bedenkzeit in dem Sinne, dass es sicher ein Plan auf lange Sicht hin sei. Aber Don Alvaro sah das nicht so. Er wollte so schnell wie möglich mit den Überlegungen zur Projektgestaltung beginnen, und bis zu den ersten Ergebnissen sah er vor, die nötigen Schritte, die für die bürokratischen, finanziellen und akademischen Hürden zu unternehmen waren, so schnell wie möglich in die Wege zu leiten.

Mit der Errichtung einer Hochschule auf entsprechendem Niveau, was Forschung und Lehre betraf, waren offensichtlich ziemliche Probleme verbunden: die Zusammenstellung eines Lehrkörpers, die Suche nach Studenten, die materiellen Installationen, die Einrichtung einer Bibliothek, die finanziellen Rücklagen. Don Alvaro war der erste, der anerkannte, dass es sich alles in allem um eine „Verrücktheit“ handelte. „Es ist offensichtlich, dass wir auf Schwierigkeiten stoßen werden. Aber wir rechnen mit der Hilfe Gottes. Wir können uns nicht von einer falschen Objektivität leiten lassen, die dazu führt, alle Schwierigkeiten aufzustöbern, die sich der Verwirklichung eines solchen Plans entgegenstellen – das Fehlen finanzieller Mittel, das Unverständnis des einen und anderen… und uns vergessen zu lassen, dass auf der anderen Waagschale die Gnade Gottes liegt, die alles vermag.“ Diese „Philosophie“ hatte er vom hl. Josefmaria gelernt. So – ohne menschliche Hilfsmittel – hatte das Werk angefangen; so war der Bau des Zentralsitzes, Villa Tevere, und viele andere Bauvorhaben begonnen und vollendet worden; so war die apostolische Arbeit in viele Länder der Welt eingepflanzt worden.

Die Zusammenarbeit mit Johannes Paul II.

Es gab noch einen weiteren Grund für die Hartnäckigkeit von Bischof Alvaro in dieser Angelegenheit: er wusste, dass Papst Johannes Paul II. diese Initiative mit großem Wohlwollen betrachtete. Ja, er wünschte sie in einem Maße, dass Kardinal Stanislaw Dziwisz, damals Sekretär des Papstes, heute Erzbischof von Krakau, im Jahr 2010 schrieb: „Ich frage mich – und diese Frage bleibt offen –, ob die Idee einer Errichtung dieser Universität in Rom vor 25 Jahren in ihren Anfängen von Johannes Paul II. kam, oder ob sie ihren Ursprung in einer Bitte des damaligen Prälaten des Opus Dei, Alvaro del Portillo, hatte.“ Jedenfalls machte er sich ohne Zaudern und Zögern an die Durchführung der notwendigen Schritte für die kanonische Errichtung seitens der Kongregation für das katholische Erziehungswesen wie auch für die Vorstellung des Unternehmens bei der Kulturbehörde des Apostolischen Stuhls und beim Staatssekretariat, um ein Einvernehmen hinsichtlich der Nutzung des Palastes San Apollinare zu erhalten, welcher der Sitz der Universität werden sollte. Die Hindernisse verwaltungsmäßiger Art wurden dank eines Kompromisses gelöst, einer Übergangslösung, die die Inbetriebnahme der zukünftigen Universität erlaubte, indem die römischen Abteilungen als theologische Fakultät der Universität von Navarra angesehen wurden. So wurde 1984 mit ca. 40 Studenten begonnen.

Dienst an der Kirche

Im Denken des Prälaten des Opus Dei sollten die theologischen Fakultäten als fundamentale Charakteristika die volle Übereinstimmung mit dem Lehramt der Kirche, den Dialog mit der zeitgenössischen Kultur und eine ausgezeichnete wissenschaftliche Ausbildung der Studenten besitzen. Außerdem sollten sie sich durch eine exzellente spirituelle Begleitung der Studenten auszeichnen, um in ihnen die Einheit des Lebens zu fördern, als eine wesentliche Voraussetzung für ihr fruchtbares Wirken als Priester.

Unterbringung der Priester und Seminaristen

Ein weiteres Projekt in diesem Zusammenhang, das bereits dem Gründer des Opus Dei vorgeschwebt hatte, war es, Einrichtungen zur Unterbringung der Priester zu schaffen, die zum Studium nach Rom kamen. Man wollte ihnen in diesen Häusern eine Familienatmosphäre bieten und, falls sie es wünschten, die Möglichkeit, an geistlichen Besinnungstagen und anderen Bildungsaktivitäten teilzunehmen, eventuell sogar das Angebot, für die Zeit ihrer Anwesenheit in der Ewigen Stadt in einer römischen Pfarrei mitzuarbeiten. Don Alvaro hatte das Glück, großzügige Unterstützung seitens vieler Menschen für diese Pläne zu bekommen.

Für die Seminaristen errichtete er gemäß der gültigen kirchlichen Normen und auf besonderen Wunsch des Papstes hin die Internationalen Priesterseminare Bidasoa in Pamplona und Sedes Sapientiae in Rom (1989 und 1991). In beiden Fällen kümmerte er sich darum, die geeignetsten Priester aus dem Klerus der Prälatur Opus Dei für die Ausbildung der jungen Priesteranwärter zu finden.

Die Stiftung CARF

Wie man sich unschwer vorstellen kann, musste man für solche Vorhaben über entsprechende finanzielle Ressourcen verfügen. Nicht nur für die Ausgaben für den Bau und die Unterhaltung der jeweiligen Zentren. Es galt auch, Stipendien für die Seminaristen aus ärmeren Ländern zu finden, sie sich alleine niemals ein Studium in Rom würden leisten können. Daher regte er an, eine Stiftung ins Leben zu rufen, deren Aufgabe es sein sollte, Spenden aufzubringen, die, selbst wenn sie nur bescheiden waren, voller Großzügigkeit von Menschen aus der ganzen Welt kommen würden. Vor allem aber stütze er sich auf das Gebet und das Opfer vieler Menschen, die er selbst um diese Art der Mitarbeit bat. So entstand 1989 das CARF - Centro accademico romano fondazione.

Die Früchte seines Einsatzes

Aus jenen Internationalen Seminaren sind schon viele Priester hervorgegangen, die anschließend in der Lage waren, ihrerseits Ausbilder in den Seminaren ihrer Heimatdiözesen zu werden. Im Laufe der Jahre erlebte Don Alvaro die Freude, dass die Zahl der Studenten stieg und in gleichem Maße die Dankbarkeit der Bischöfe für diese Hilfestellung in ihren Ortskirchen. Die Zahlen von heute, 2015, sprechen für sich: In der Universität in Rom und der theologischen Fakultät der Universität von Navarra haben von den mehr als 14.000 Studenten aus 109 Ländern – Seminaristen, Ordensleute, Religionslehrer, Katecheten usw. – etwa 3.000 dank der ihnen gewährten Stipendien studieren können. Mehr als 2.000 sind Priester, 76 Bischöfe geworden. Allein in den Internationalen Seminaren Bidasoa und Sedes Sapientiae haben 1.500 Seminaristen ihre Ausbildung erhalten. (Quelle: www.carfundacion.org)

Die Stiftung CARF hat auch finanzielle Unterstützung geleistet bei dem endgültigen Umbau des Zentralsitzes der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz, dem Bibliotheksgebäude, der Fakultät für Institutionellen Soziale Kommunikation, des Internationalen Seminars Bidasoa und zweier Häuser für Priester in Rom.

In diesem Kurzvideo berichten zwei ehemalige Studenten, die heute Priester sind, von ihrem Studium in Rom und seiner Bedeutung für ihre aktuelle Berufsausübung.

Quelle: Javier Medina Bayo, Alvaro del Portillo. Un hombre fiel; Ed. Rialp, Madrid, 2013