Franco eingeheizt und Hitler für verrückt erklärt - Was der Gründer des Opus Dei wirklich sagte und meinte

Aus aktuellem Anlass tauchen wieder alte Mythen über den hl. Josemaría Escrivá auf – und werden vom Abschreiben aus den Archiven auch nicht wahrer. Falsch ist zum Beispiel, dass der hl. Josemaría Escrivá mit dem Diktator Franco befreundet gewesen sei oder das Naziregime verharmlost habe. Deshalb bringen wir an dieser Stelle ein paar Buchzitate, die die tatsächliche Haltung Escrivás deutlich machen. Andrés Vázquez de Pradas Werk in 3 Bänden ist derzeit die einschlägige Escrivá-Biographie.

Bibliografie

Fernando Inciarte war lange Jahre Ordinarius für Philosophie an der Universität Münster.

Escrivá zu Franco: Haben Sie schon einmal an den Tod gedacht?

„Unter den zahlreichen Nachrichten, die jener berühmte Brief von März 1946 enthält – »in Etappen« verfaßt und wenig einheitlich –, findet sich ein Satz, der im Ablauf der Ereignisse leicht untergehen könnte. Es heißt dort: »Man hat mich damit beauftragt, Exerzitien für den Chef von Jesús(1) zu halten, und zwar in der Passionswoche. Mal sehen, was daraus wird.«(2)

Das »man hat mich damit beauftragt« ist ein versteckter Hinweis auf die Autorität von Don Leopoldo. Dieser hatte die Exerzitien veranlaßt, die Escrivá schließlich vom 7. bis 12. April 1946 im El Pardo-Palast für Franco und dessen Frau hielt.(3) Spanien befand sich im Jahr 1946 infolge eines massiven Drucks von außen in einer äußerst instabilen Lage. Angesichts der Gefahr neuer Auseinandersetzungen rückten in einer Haltung der Defensive alle politischen Kräfte zugunsten der Staatsmacht eng zusammen, und ein gut Teil der relevanten Figuren zollte dem Staatschefs Lob und Anerkennung.

Während dieser Tage nun stellte der Priester Franco die Frage: »Haben Sie, Exzellenz, noch nie daran gedacht, daß Sie in jedem Augenblick sterben können?«

Einige Tage später erwähnte Escrivá in einer Unterredung mit Don Leopoldo dieses Gespräch mit Franco. Daraufhin unterbrach ihn der Bischof mit den Worten: »Dann werden Sie nie Karriere machen.«(4)“

„Die Anschuldigungen – Ketzerei, Geheimbündelei, Freimaurerei, Auflehnung gegen die herrschende Macht etc. – hatten im Rahmen der Verleumdungskampagne gegen das Werk also auch die Behörden sowie akademische Kreise erreicht. Besonders heikel war eine Anklage beim Sondergericht zur Bekämpfung der Freimaurerei. Dieses Gericht war am 10. September 1940 eingesetzt worden. Anfang Juli 1941 begann die nicht-öffentliche Untersuchung. Der Berichterstatter González Oliveros warf einer Gruppe von Personen unter der Leitung Escrivás vor, einer freimaurerischen Vereinigung mit gewissen Elementen jüdischer Sekten anzugehören. Der Vorsitzende, General Saliquet, ließ sich über den Lebenswandel der Mitglieder unterrichten. Als man ihm sagte, daß diese keusch lebten, wunderte er sich über diese Aussage und fragte nach. Man bestätigte ihm, daß die Keuschheit der Mitglieder des Werkes eine erwiesene Sache sei. Daraufhin erklärte der Präsident sichtlich erleichtert, man könne die Angelegenheit auf sich beruhen lassen, denn »warum sollte ein Freimaurer um seiner Ziele willen ein keusches Leben führen?« Er beschloß, die Anklage abzuweisen. Seinem Beschluß schlossen sich alle anderen Mitglieder des Gerichtes an.(5)

Bei geheimen Verfahren war es nicht üblich, die Angeklagten über einen Freispruch zu unterrichten. Gleichwohl suchten in diesem Falle mehrere Gerichtsmitglieder das Wohnheim in der Jenner-Straße auf, vielleicht als Wiedergutmachung. Sie wollten gern die Kapelle sehen, wo laut Anklage der Priester über dem Boden schwebte und deren Wände angeblich kabbalistische Zeichen trugen. Der Gründer führte sie in die Kapelle und bemerkte im Hinblick auf seinen fülligen Körper humorvoll: »Es wäre wirklich ein erstrangiges Wunder, wenn ich auch nur eine Handbreit über dem Boden schweben könnte.«(6)

Auf politischer Ebene setzten sich jedoch die Anklagen fort. Sie kamen von verschiedenen Seiten. Es war die Zeit des zweiten Weltkrieges, und die Falange besaß, zumindest in der ersten Phase der Auseinandersetzungen, eine deutliche Vormachtstellung im politischen Leben und in der Regierung. Als Einheitspartei machte sie keinen Hehl aus ihrer totalitären Gesinnung. Jede abweichende politische Meinung wurde sofort als unpatriotisch eingestuft und konnte verfolgt werden. Gegner der katholischen Kirche und Mitglieder der Opposition gegen das Franco-Regime bezichtigten den Gründer des Gegenteils, nämlich einer falangistischen Haltung. Viele Jahre später erinnerte Josemaría daran, daß man ihn als Freimaurer und »ebenso als Monarchisten, als Antimonarchisten, als Falangisten, als Karlisten und als Antikarlisten« bezeichnet hatte. Mitten in den Wirren des Weltkrieges, so schreibt er, »suchten einige Leute die Botschaften der Alliierten auf, um mich als deutschfreundlich anzuzeigen. Anschließend suchten dieselben Leute oder andere in ihrem Auftrag die diplomatischen Vertretungen von Deutschland und Italien auf, um mich als Freund der Engländer hinzustellen.«(7) Die Lage war wirklich ernst: in den Händen der Nationalen Bewegung, der damals von der Falange beherrschten Einheitspartei, stellten diese Diffamierungen ein latentes Bedrohungspotential dar, das jederzeit losbrechen konnte.

Tatsächlich wurden kurz darauf die Verleumdungen politischer Art in einem »vertraulichen Bericht über den Geheimbund Opus Dei« gebündelt, den das Informationsbüro der Falange erarbeitete.(8) Darin hieß es von den Mitgliedern des Opus Dei: »Weltanschaulich verteidigen sie den Internationalismus und versichern, daß es für den Katholiken keine Grenzen, keine Nation und kein Vaterland geben dürfe.(9) (…) Diese Organisation lehnt sich gegen die Ziele des Staates auf: 1. weil sie im Geheimen arbeitet, 2. wegen ihrer internationalistischen Gesinnung, 3. wegen ihrer Einmischung in das intellektuelle Leben und die Konzepte des Caudillo, 4. wegen ihres Sektierertums, das das staatliche Verhalten bei der Besetzung von Lehrstühlen und der Vergabe von Stipendien usw. als ungerecht bezeichnet (…). Ihre Mitglieder stimmen äußerlich der Nationalen Bewegung zu, obwohl sie in Wirklichkeit auf ihren Zusammenbruch warten und ihre Hoffnung auf die ewige Gültigkeit der Katholischen Lehre setzen, die sie als Deckmantel für ihre undurchsichtigen Ziele benutzen.«(10)

In der Tat war die damalige Situation Spaniens, wie der Gründer schreibt, »alles andere als günstig für die Entfaltung einer jungen und neuen Gründung. Die Atmosphäre war im Gegenteil feindlich.«(11) Dieses Mal handelte es sich nicht nur um verbale Verleumdungen oder Angriffe, die Lage war ernster und gefährlicher. Ein befreundeter Botschafter, der über gute Informationsquellen verfügte, vertraute Escrivá an, daß Extremisten innerhalb der Falange beschlossen hatten, das Opus Dei zu beseitigen.(12) Grotesk und zugleich alarmierend aufgrund der ideologischen Affinität mancher Gruppen in der Falange zum deutschen Nationalsozialismus ist ein Passus in dem erwähnten vertraulichen Bericht. Im Wohnheim Jenner, so wird dort gesagt, zeige eine Landkarte Deutschland als ein von Schweinen bevölkertes Land. Es handle sich, so der Berichterstatter, keineswegs um eine Statistik landwirtschaftlicher Produktion, sondern um eine sinnbildliche Darstellung des deutschen Volkes.(13)

Des weiteren bezichtigte der Bericht die Mitglieder des Werkes, nicht nur die politische Macht, sondern auch die Herrschaft über die Universitäten, die Lehrstühle und die Zentren wissenschaftlicher Forschung anzustreben.(14) Einige Mitglieder des Opus Dei, die an den entsprechenden Prüfungsverfahren im Rahmen der öffentlichen Ausschreibungen teilnahmen, erhielten aufgrund der herrschenden Vorurteile eine ungerechte Qualifikation. Das Gerücht, sie wollten sich mit dunklen Methoden der Lehrstühle in allen Fakultäten bemächtigen, war so verbreitet, daß selbst wohlgesonnene Freunde sich kaum der suggestiven Wirkung der öffentlichen Verleumdungen entziehen konnten.(15) Josemaría gab einem Priester folgende Erklärung: »Schau mal: Wie Du weißt, fördert das Opus Dei ausschließlich ›die christliche Vollkommenheit seiner Mitglieder durch die Heiligung der gewöhnlichen Arbeit‹, jeder irdische Geltungsdrang liegt ihm fern. Das Opus Dei ist ein ganz und gar übernatürliches Werk, das sich nur um das innere Leben der Menschen sorgt. Es ist daher nicht überraschend, daß wir auf Schwierigkeiten stoßen. Der Herr hat zugelassen, daß wir unter den Angriffen der Guten zu leiden haben, in der Tat die größtmögliche Widerwärtigkeit. Und jetzt haben sich andere dazugesellt, die nicht so gut sind: Menschen, die unsere Heilige Kirche und das katholische Spanien hassen (…). Alle, die zum Werk gehören, wissen, daß sie Gott nur dann wohlgefällig sind, wenn sie in ihrem Leben grundanständig und stets der christlichen Moral gemäß handeln. Wie sollten sie dann Posten anstreben, die sie nicht interessieren? Du kannst also diese schmutzigen Unterstellungen zurückweisen, die man ihnen anlastet.

Ich arbeite mit Universitätsstudenten! Das stimmt. Ist das etwa ein Verbrechen? Ich verstehe es als einen hervorragenden Dienst am Vaterland. Genausogut hätte mich der Herr zu einer pastoralen Arbeit unter Analphabeten bestimmen können. Derjenige, der zu behaupten wagt, ich versuchte die Universitäten ›zu unterwandern‹, sagt schlicht die Unwahrheit. Das Werk ist nicht dazu da, Professoren auszubilden, sondern heiligmäßige Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft, die kein anderes Ziel haben, als Jesus Christus zu lieben (und damit auch ihr Vaterland) und ganz unspektakulär Gutes zu tun.«(16)“

Escrivá über Hitler: teuflisch und verrückt

„Eine Episode kann helfen, die Haltung Josemarías gegenüber dem Nationalsozialismus zu illustrieren. Im August 1941 fuhr Escrivá nach Ávila und stieß im Zug auf die Familie Díaz-Ambrona. Sie hatten sich seit Kriegsende nicht mehr gesehen. Josemaría kam zufällig an dem Abteil, in dem die Familie saß, vorbei, sah die kleine Tochter und sagte instinktiv zu den Eltern: »Dieses Kind habe ich doch getauft.«(17)

Domingo Díaz-Ambrona kam daraufhin mit Escrivá ins Gespräch, das ihn sehr beeindruckte. Wie sich zeigte, war der Gründer des Opus Dei bestens über die Lage der Kirche und der Katholiken im Hitler-Deutschland unterrichtet. Ihm imponierte, welchen Stellenwert für Escrivá die persönliche Freiheit hatte. Wie Díaz-Ambrona bezeugt, gab es damals in Spanien nicht viele Leute, die eine so klare Meinung vertraten. Er war selbst gerade in Deutschland gewesen und hatte bemerkt, welche Angst manche Katholiken hatten, ihre religiöse Überzeugung offen zu bekunden. Das hatte ihn dem Nationalsozialismus gegenüber mißtrauisch gemacht, und er hatte sich genauer über das, was in Deutschland passierte, informiert. Wie den meisten Spaniern waren auch ihm bis dahin die negativen Seiten dieser Weltanschauung und des politischen Systems unbekannt geblieben, da die Propaganda einseitig Deutschland als die Kraft darstellte, die den Kommunismus besiegen konnte.(18) Josemaría hingegen verfügte über genaue und sachliche Informationen. Ambrona hält in seinen Erinnerungen fest, daß man damals nicht viele Spanier traf, die mit solcher Klarheit die zutiefst unchristlichen Wurzeln der nationalsozialistischen Ideologie erkannt hatten.(19)“

„1956 besuchte Prälat Escrivá, wohl zum zweiten Mal, die ersten Mitglieder des von ihm gegründeten Werkes in Deutschland. Damals begleitete ich ihn von Bonn aus auf einen raschen Ausflug auf den Petersberg. Hinter dem Hotel blickte er in die weite grüne Landschaft nach Osten hin, mehr oder weniger in Richtung Ittenbach. Es war, wie gesagt, in der Richtung so gut wie nur Grün zu sehen, nichts von den „geschäftigen“ Rheinstädtchen. Da bemerkte Prälat Escrivá: Und da sprach Hitler von Lebensraum; er war verrückt (estaba loco). Es wäre auch für mich eine der Erwähnung kaum werte Anekdote geblieben, wenn ich nicht einige Jahre später – 1966 in Frankreich – aus dem Munde des Abbé Etcheverri folgendes gehört hätte: Francisco Botella, der zusammen mit (…) Francisco Casciaro ein enger Mitarbeiter des Gründers des Opus Dei nach der Flucht aus der republikanischen in die nationale Zone während des spanischen Bürgerkrieges gewesen war, habe erzählt, daß Escrivá im Jahre 1938 von Hitler als von einem teuflischen Menschen (hombre diabólico) sprach.“

Fußnoten des Buches, hier mit eigener Nummerierung (1) ›Der Chef von Jesús‹: der Chef von Jesús Fontán Lobé, Marineoffizier (eine Anspielung auf Franco).

(2) Brief aus Madrid an die Mitglieder des Opus Dei in Rom, in EF-460324-2.

(3) Wie José María Bulart Ferrándiz, damals Kaplan im El Pardo-Palast, erzählt, pflegte Francisco Franco jedes Jahr an Exerzitien teilzunehmen; der Prediger war gewöhnlich der Bischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay (vgl. Gonzalo Redondo, Historia …, a.a.O., Band II, S. 130). Escrivá hatte Bulart viele Jahre zuvor kennengelernt. Vgl. Brief aus Valencia an José María Bulart Ferrándiz, in EF-411220-1.

(4) Brief aus Rom, in EF-640614-1. Diese Begebenheit, im Grunde ohne Bedeutung, zeugt von der Loslösung des Priesters Escrivá. Er wollte sich jeder politischen Parteinahme enthalten und vertrat die Auffassung, bei seiner Arbeit kein Ansehen der Person gelten zu lassen.

(5) Über diese Angelegenheit und die Anklage vor dem Sondergericht liegt der Bericht des Richters Dr. Luis López Ortiz vor, damals Generalsekretär des Sondergerichts zur Bekämpfung der Freimaurerei (vgl. RHF, T-04214). Andere Zeugnisse mit ähnlichem Inhalt: José López Ortiz, Sum. 5271; Álvaro del Portillo, Sum. 425; Silvestre Sancho Morales OP, Sum. 5399.

(6) Die Delegation bestand aus folgenden Richtern: Dr. Juan José Pradera Ortega, Dr. González Oliveros, und Dr. Luis López Ortiz. Vgl. Álvaro del Portillo, PR, S. 564 und 565; auch: Juan Jiménez Vargas, Sum. 6710.

(7) Brief 29.12.1947/14.2.1966, Nr. 36.

(8) Dieser Bericht wurde veröffentlicht in: José Luis Rodríguez Jiménez, Historia de la Falange Española de las JONS, Madrid 2000, S. 420–423. Von diesem Bericht, datiert in Madrid am 16. Januar 1942, gibt es eine Kopie in RHF; es handelt sich um vier maschinengeschriebene Seiten. Der Freund, der Escrivá das Dokument zeigte, war José López Ortiz, der folgendes Zeugnis ablegt: »Eines Tages erhielt ich ein Dokument der Falange – der Einheitspartei Francos –, in dem er auf schlimmste Weise verleumdet wurde. Ich hielt es für meine Pflicht, ihm das Original, das mir ein Freund überlassen hatte, zu zeigen. Die Angriffe waren so furchtbar, daß ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte, als Josemaría in meiner Gegenwart ganz ruhig diese Seiten las. Nach der Lektüre sah Josemaría meinen Schmerz und begann zu lachen. Dann sagte er mit heroischer Demut: ›Mach dir keine Sorgen, Pepe, denn alles, was man hier behauptet, ist gottlob falsch. Wenn diese Leute mich aber besser kennen würden, hätten sie zu Recht viel Schlimmeres von mir sagen können, denn ich bin nicht mehr als ein armer Sünder, der Jesus Christus über alles liebt.‹ Statt diese Ansammlung von Lügen auf der Stelle zu zerreißen, gab er mir die Unterlagen zurück, damit mein Freund sie wieder ins Ministerium der Falange zurückbringen konnte. Dabei sagte er: ›Hier hast du sie; gib sie deinem Freund zurück, damit er sie wieder an ihren Ort zurücklegt und nicht das Risiko läuft, dafür belangt zu werden‹« (José López Ortiz, in: Testimonios …, a.a.O., S. 241–242).

(9) Vgl. Joaquín Alonso Pacheco, Sum. 4659. Ein Teil der Falange, extrem nationalistisch eingestellt, nahm Anstoß am Punkt 525 aus dem Weg: »›Katholisch‹ sein heißt seine Heimat lieben, niemandem in dieser Liebe nachstehen. Und gleichzeitig, die aufrichtigen Bemühungen aller anderen Länder auch als die meinen betrachten. Wieviel vom Ruhm Frankreichs ist auch mein Ruhm! Und ebenso ist der berechtigte Stolz der Deutschen, der Italiener, der Engländer, der Amerikaner, der Asiaten, der Afrikaner auch mein Stolz. Katholisch: großes Herz, weiter Geist!«

(10) Die böswillige Aussage, das Werk sei ein Geheimbund und Feind der Einheitspartei, stellte viele Monate lang, als die Falange auf ihrem politischen Höhepunkt war, eine ernsthafte Gefahr für den Gründer und für die Mitglieder des Werkes dar. Davon zeugt unter vielen anderen Dokumenten ein Brief von Februar 1943, den Josemaría an den Bischof von Madrid schrieb: »+ Mein Vater! Ich habe die vorherige Seite gelesen und mir scheint, sie ist nicht eindeutig genug. Man hat eine Steuerfahndung angeordnet (bei uns ist alles in bester Ordnung). Ich habe glaubwürdige Informationen darüber erhalten, daß sie Alastrué mit einer schrecklichen Verleumdung gerichtlich belangen wollen: ›er gehöre einer geheimen Vereinigung an, die die Falange bekämpft und im Bund mit der englischen Botschaft arbeitet‹; mein Informant fügte heute Nachmittag hinzu: ›Sie warten darauf, die Freunde von Alastrué kennenzulernen, um eine Razzia durchzuführen.‹ Verzeihen Sie, Herr Bischof; ich habe übrigens viel Tröstliches als Ausgleich für diese Verleumdungen zu erzählen. Der Sünder, der Ihren Bischofsring küßt. Josemaría« (Brief aus Madrid, in EF-430217-1).

(11) Brief 29.12.1947/14.2.1966, Nr. 39.

(12) Vgl. Álvaro del Portillo, Sum. 417.

(13) Vgl. Vertraulicher Bericht der Falange, 16.1.1942, bereits zitiert.

(14) »Diese Unwahrheiten«, bezeugt José López Ortiz, »stammten von einigen liberalen Universitätsprofessoren, die – und ich halte meine Einschätzung nicht für unbegründet – die Präsenz von überzeugten Katholiken in den Lehrkörpern mißbilligten. Sie verbreiteten das Gerücht, daß eine Gruppe von Dozenten und andere wichtige Personen aus dem universitären Leben – darunter der Bildungsminister Ibáñez Martín und José María Albareda, Generalsekretär des Obersten Wissenschaftlichen Forschungsrats, der kürzlich konstituiert worden war – die Universität dem Opus Dei übergeben wollten. Diese fixe Idee ließ sie absurde Maßnahmen ergreifen. Die gesamte Angelegenheit kann man als absurd bezeichnen, und ihre damalige Verbreitung ist nur verständlich, wenn man sich die nationalistisch aufgeheizte Atmosphäre im Lande und die Eifersucht mancher Personen und Gruppierungen vor Augen führt« (José López Ortiz, in: Testimonios …, a.a.O., S. 225).

(15) Über diese Angelegenheit schreibt Kardinal Bueno Monreal: »Auf dieses Unverständnis folgten auch eindeutige Verleumdungen, getragen vom Argwohn oder gestützt auf den Verdacht des Okkultismus und der Ketzerei. Sie hielten einige Zeit an. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, die ich vergessen habe, will ich hier nur die Unterstellung erwähnen, das Opus Dei wolle alle Lehrstühle an der Universität besetzen und damit das Land ideologisch beherrschen. Solch absurde Vorstellungen setzen die Überzeugung von Geheimniskrämerei oder Freimaurerei … und eine krankhafte Phantasie voraus. Und doch hielten sich diese Vorurteile einige Jahre lang in der Öffentlichkeit. Das Ganze war inzwischen nicht mehr ausschließlich eine Sache der ›Guten‹. Andere, die nicht so gut waren, folgten ihnen und versuchten, katholischen Bürgern, die in ihrer Ausbildung und ihrer Qualifikation den anderen ebenbürtig waren, das Recht abzusprechen, ihren Beruf nach eigenen Vorstellungen auszuüben« (José María Bueno Monreal, in: Testimonios …, a.a.O., S. 24). – Im Kapitel 12 des Buches von José Orlandis Rovira, Años de juventud …, a.a.O., mit dem Titel ›La leyenda de las cátedras‹ heißt es: »Den Anklagen nach (…) sollten der Bildungsminister Ibáñez Martín und der Generalsekretär des kürzlich geschaffenen Obersten Wissenschaftlichen Forschungsrates Albareda die Universität an das Opus Dei ›geliefert‹ haben. Es sollte darauf hingewiesen werden, daß im Jahre 1941, als diese Kampagne ihren Höhepunkt erreichte und manche verkündeten, das Werk beherrsche die spanische Universität, nur ein einziges Mitglied des Opus Dei – José María Albareda – einen Lehrstuhl innehatte. Wenn man die genauen Daten der Beförderungslisten jener Jahren im nachhinein im Hinblick auf die mutmaßliche ›Eroberung der Lehrstühle‹ überprüft, stellt man fest, daß von 1940 bis 1945 nur elf Mitglieder des Opus Dei zu Professoren ernannt wurden; in dem genannten Zeitraum erreichten an den spanischen Universitäten nicht weniger als 179 Akademiker den Professorenrang« (S. 182).

(16) Brief aus Madrid an Fermín Yzurdiaga Lorca, Kopie in EF-420108-1. Fermín Yzurdiaga war Mitglied im Nationalrat der ›Falange Española Tradicionalista y de las JONS‹.

(17) Wie bereits erwähnt, hielt sich Josemaría im September 1937 in einer Wohnung in der Straße Ayala, unweit der Klinik Riesgo auf, wo Frau Díaz-Ambrona vor kurzem niedergekommen war. Nach der Taufe der Tochter auf den Namen Guadalupe hatte der Priester die Familie nicht mehr gesehen, erkannte sie aber auf dieser Zugreise vier Jahre später wieder.

(18) Es herrschte tatsächlich allgemeine Unkenntnis unter den spanischen Katholiken über die negativen Seiten des Nationalsozialismus und die politische Wirklichkeit unter Hitler. Neben anderen Gründen, wie die Isolierung während des Krieges und die besonderen politischen Umstände, darf man die Weigerung der Regierung erwähnen, die Enzyklika Mit brennender Sorge Papst Pius’ XI. vom 14.3.1937 in Spanien zu verbreiten. Dieses Dokument erschien 1938 in den Kirchlichen Amtsblättern einiger Diözesen. Vgl. José Andrés-Gallego, Antón M. Pazos und Luis de Llera, Los Españoles entre la religión y la política. El franquismo y la democracia, Madrid 1996, S. 47. Etwas ähnliches geschah mit dem Gemeinsamen Pastoralbrief der deutschen Bischöfe, Fulda 19.8.1938. Dieser Brief erschien lediglich in den Amtsblättern der Bistümer Calahorra und Toledo. Vgl. Gonzalo Redondo, Historia de la …, Band II, a.a.O., S. 208–210.

(19) Vgl. Álvaro del Portillo, Über den Gründer des Opus Dei, a.a.O., S. 33–36.

Quellen: 

Vázquez de Prada, Andrés, Der Gründer des Opus Dei. Josemaría Escrivá. Band 2: Die mittleren Jahre, Adamas-Verlag, Köln 2004, SS. 385–386, 500-505, 655–656.

Inciarte, Fernando, Die Bedeutung der Freiheit für den seligen Josemaría Escrivá, in: Ortiz, César (Hrsg.), Josemaría Escrivá. Profile einer Gründergestalt, Köln (Adamas) 2002, S. 419–432.