In der Gemeinschaft der Heiligen helfen wir den „armen Seelen“ und sie uns

Im Spanischen Bürgerkrieg erhielten der Gründer und die ersten Mitglieder des Opus Dei Asyl in der Vertretung von Honduras. In dieser prekären Lage verglich er die Hilfe des Chefs mit unserem Gebet für die „armen Seelen“ im Zustand der Läuterung. Ein Beitrag von Andreas Kuhlmann.

Gebetstexte
Opus Dei - In der Gemeinschaft der Heiligen helfen wir den „armen Seelen“ und sie uns Foto: Santi Villamarin

Unser Gebet für die „armen Seelen“ im Monat November ist keine Einbahnstraße. Wie wir vor Gott für sie beten, so werden sie für uns eintreten. Das machte der heilige Josefmaria Escrivá seinen bedrängten Zuhörern vor achtzig Jahren im Spanischen Bürgerkrieg klar, mit denen er sich in der Madrider Gesandtschaft von Honduras versteckt hielt. Wenn wir uns in Lage der religiös Verfolgten versetzen, können uns die Worte dieses Heiligen den Ernst wie auch die Freude vermitteln, in die uns die „Gemeinschaft der Heiligen“ hineinnimmt, die Gemeinschaft mit den „armen Seelen“ und den glückseligen Heiligen. Der Gründer Dei begriff die schwierige Situation ganz aus dem Glauben heraus und stützte so seine geistlichen Söhne im jungen Opus Dei. Nach einer unveröffentlichten Mitschrift sagte er:

„So wie manche unserer Brüder auf Erden leiden, gibt es vielleicht auch den einen oder anderen im Fegefeuer. Im Allgemeinen hören die Leute nicht gerne vom Fegefeuer oder von der Hölle. Sie möchten, dass man ihnen nur vom Himmel erzählt. Sie sind nicht wie unsere ersten Brüder im Glauben, die ganz besonders stark waren und vor nichts Angst hatten. Vielmehr gleichen sie modernen Bildnissen in kitschigen, süßlichen Farben. Wenn uns die Leute reden hörten, würden sie sagen, wir seien verrückt, völlig verrückt! Doch sie sind es, die die große Verrücktheit begehen, von diesem Leben ins ewige hinübergehen zu wollen – von der Erde in den Himmel, ohne auch nur im Geringsten zu leiden, ohne übernatürliche Mittel, zu denen auch die Abtötung gehört, die Vereinigung mit dem Kreuz.“

Wenn wir Christen Gott dem Herrn zum Beispiel die Mühen des Gebetes, der kleinen Verzichte, der sorgfältig getanen Arbeit für das Seelenheil der Verstorbenen aufopfern, dann – so der Glaube der Kirche – solidarisieren wir uns mit der Reinigung, an der sie als Folge ihrer früheren Mittelmäßigkeiten und Versäumnisse leiden. Wir auf Erden und sie im Zustand der Läuterung sind unsichtbar miteinander verbunden. Jeder reift auf seine Weise auf den Himmel zu, auf die Liebe zu Gott. Was uns noch fern erscheint, steht den „armen Seelen“ schon unverbrüchliche vor Augen. Diesen Gedanken führte der heilige Josefmaria weiter:

„Es gibt Seelen, die im Fegefeuer leiden. Mit unseren Gebeten und unseren guten Werken sind wir imstande, ihre Leiden zu lindern und sie zum wahren LEBEN zu geleiten und zur wirklichen LIEBE, ebenfalls in Großbuchstaben. Wenn die Jahre vergangen sind, werden wir erzählen, dass wir in der Zeit der Revolution und des Bürgerkrieges an diesem Zufluchtsort unter diplomatischer Flagge untergebracht waren. Trotz der Sorgen – der Kummer ist groß, und wir müssen viel Leid erdulden – werden wir uns in Dankbarkeit an den Chef dieser diplomatischen Vertretung erinnern, der uns das irdische Leben gerettet hat. Wenn das schon hier unten so ist, dann stellt euch vor, wie die Armen Seelen im Fegefeuer für unsere Hilfe dankbar sein werden, schnell zum LEBEN zu gelangen. Mit welcher Freude werden sie vom Himmel her unsere Fürbitten erwidern, indem sie vor Gott für uns eintreten, ihm unsere guten Werke vorstellen und unsere Verdienste vergrößern und vermehren.“

In steigender Klarheit bilden wir alle die eine Kirche, die große Gemeinschaft der Heiligen: Wir hier auf der Pilgerschaft im Wechsel von Freuden und Leiden in der Zeit, die „armen Seelen“ dort in der leidender Vorfreude ihrer Läuterung und die Heiligen des Himmels in der seligen Schau Gottes – allen Maria, die Königin der Heiligen. Wir Christen auf Erden brauchen die Sicht des Glaubens, damit wir diese wunderbare Wirklichkeit und die Glut der Hoffnung nicht übersehen, die unser Herz erwärmt. So lassen wir uns immer wieder stärken und anziehen vom Feuer der LIEBE. Gott ist DIE Liebe – Deus caritas est.