Licht aus dem Berg– plötzlich in der Niederung leuchtend

Josef Arquer lädt zum betenden Nachdenken über die Verklärung des Herrn ein

Betrachtungen zum Kirchenjahr
Opus Dei - Licht aus dem Berg– plötzlich in der Niederung leuchtend Verklärung Christi - Fra Angelico

Anders als manche liturgischen Gedenktage, auf die man sich betend einstimmen kann, steht das Fest der Verklärung des Herrn am 6. August allein da, mitten im Alltag. Unerwartet ist es plötzlich da. Man mag sich wie die drei Jünger damals überrascht „auf einen hohen Berg geführt“ fühlen und wird betend versuchen, den sonst verborgenen göttlichen Glanz des Menschen Jesus neu zu entdecken. „Die Verklärung ist ein Gebetsereignis; es wird sichtbar, was im Reden Jesu mit dem Vater geschieht: die innerste Durchdringung seines Seins mit Gott, die reines Licht wird. In seinem Einssein mit dem Vater ist Jesus selbst Licht vom Licht.“ (Benedikt XVI, Jesus von Nazareth, S. 357)

„Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.“ Die drei synoptischen Evangelien berichten darüber mit verschiedenen Nuancen. Lukas nennt den Grund des Aufstiegs: „ ... um zu beten.“ Den Jüngern ist dieser Drang des Herrn wohlbekannt, mit dem Vater allein zu sein. Wahrscheinlich haben sie sich auch diesmal darauf eingestellt: von neuem schauen sie auf den betenden Jesus und wollen lernen zu beten wie er.

Aber diesmal ereignet sich etwas Neues. Man spürt bei den Schilderungen der Evangelisten das Unvermögen der Sprache und der Bilder (vgl. im Folgenden Mt 17,1-9; Mk 9,2-10; Lk 9,28b-36). Nach Lukas „veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß“. Nach Matthäus „ leuchtete sein Gesicht wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.“ Markus versucht wie so oft in seinem Evangelium, farbige Details in die Darstellung zu bringen. Aber wie die Farbe des Lichtes schildern? Die Erinnerung an seine Mutter mag ihn inspiriert haben, wie sie die frisch gewaschene Wäsche zum Bleichen in die Sonne legte. Er schreibt: „Seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.“

Jesu Verklärung im Licht des Heute

Das Licht, das Christus ausstrahlte, durchleuchtet Vergangenheit und Zukunft. Die Vergangenheit: Mose und Elija. „Sie erschienen in strahlendem Licht“ und vergegenwärtigen die Verheißungen im Gesetz und den Propheten, die sich nun in Jesus erfüllen werden. Die Zukunft: „... und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.“ Papst Benedikt kommentiert: „Mit dem Verklärten sprechen sie über das, was sie auf Erden gesagt haben, über die Passion Jesu; aber indem sie mit dem Verklärten darüber sprechen, wird sichtbar, dass diese Passion Rettung bringt; dass sie von der Herrlichkeit Gottes durchdrungen ist, dass die Passion verwandelt wird in Licht, in Freiheit und Freude.“ (Jesus von Nazareth, S. 359)

Von Licht umhüllt sprechen Mose und Elija mit Jesus über die Finsternis der Passion. Jesu Verklärung lehrt uns heute, jenseits des damaligen Erlebnisses der drei Jünger, die vielfachen Formen unserer eigenen „Passion“ im Licht Christi zu sehen und im Blick auf unsere Vollendung anzunehmen. „Die Verklärung – heißt es im Katechismus der katholischen Kirche (Nr. 556) mit einem Wort des hl. Thomas von Aquin – gibt uns eine Vorahnung der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit, ‚der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes’ (Phil 3,21). Sie sagt uns aber auch, dass wir ‚durch viele Drangsale (...) in das Reich Gottes gelangen’ müssen (Apg 14,22)“.

Am Ende der Verklärung sehen die Jünger eine Wolke und hören eine Stimme: „Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. (...) Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.“ Sie sind wieder im Alltag.

Am Fest der Verklärung des Herrn des Jahres 1978 starb Papst Paul VI. In der Ansprache, die er nicht mehr halten konnte, hatte er geschrieben: „Die Verklärung des Herrn wirft strahlendes Licht auf unser tägliches Leben und richtet unser Denken auf die unsterbliche Bestimmung, welche dieses Ereignis in sich birgt. (...) Dieser Leib, der sich vor den erstaunten Augen der Apostel verklärt, ist der Leib unseres Bruders Christus, gleichzeitig aber auch unser Leib, der zur Herrlichkeit bestimmt ist. Das Licht, das ihn umflutet, ist jetzt und künftig auch unser Anteil an seiner Hinterlassenschaft und Herrlichkeit. Wir sind berufen, solche Herrlichkeit zu teilen, um ‚an der göttlichen Natur Anteil‘ (2 Petr 1,13) zu nehmen. Ein unvergleichliches Geschick erwartet uns, wenn wir unserer christlichen Berufung treu bleiben: wenn wir in Wort und Verhalten aus den mit der Taufe auferlegten Verpflichtungen die logischen Folgen ziehen.“