Ratzinger über Escrivá

Ein halbes Jahr vor der Heiligsprechung von Josefmaria Escrivá hatte der damalige Kardinal Ratzinger bei der „Vorstellung eines weiteren Buchs über den Opus Dei-Gründer“ gesprochen. Wir geben den damaligen Pressebericht wieder.

vom Opus Dei

Rom (DT) „Der selige Josemaria Escrivá war sich durchaus bewusst, dass das Opus Dei nicht sein eigenes Werk ist und dass er selbst gar nichts erfunden hatte“. Das hat der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, bei der Präsentation eines weiteren soeben erschienenen Buchs über den Gründer des Opus Dei erklärt. Escrivá habe sich vielmehr zu einem Instrument Gottes umschmieden lassen, indem er sich ihm ganz zur Verfügung stellte. Das Buch „Opus Dei. Il messagio, le opere, le persone“ (Opus Dei. Botschaft, Werke, Personen), das jetzt in Rom vorgestellt wurde, ist im Verlag San Paolo erschienen. Autor ist Giuseppe Romano, Journalist und Professor für Soziale Kommunikation an der vom Opus Dei geführten Universität Santa Croce in Rom.

Mit Verweis auf das Johannesevangelium zeigte Ratzinger auf, dass die damalige Vorstellung der Pharisäer, Gott habe sich nach Vollendung seines Schöpfungswerkes am siebten Tag zurückgezogen, auf indirekte Weise auch in der heutigen Mentalität verbreitet sei. „Es ist eine Versuchung unserer Zeit, der auch Christen unterliegen, zu glauben, dass sich Gott nach dem Big Bang zurückgezogen hat und sich die geschaffenen Dinge jetzt einfach weiterentwickeln würden, ohne dass Gott in die Materie, in den Stoff unseres täglichen Lebens, eingreifen kann.“ Doch habe gerade der selige Josemaria Escrivá in seinem Leben eine Antwort auf jene Form des zweifelnden Deismus gefunden: „Hier haben wir einen Mann vor uns; der sich der Präsenz Gottes gegenüber geöffnet hat und erfährt, dass Gott immer am Werk ist, gerade auch heute, und dass wir ihn in unser Leben Einlass gewähren und handeln lassen sollen. Auf diese Weise“, so Ratzinger weiter, „werden Dinge geboren, die zukunftsweisend sind und die die Menschheit verändern. Dieser Gotteszentrismus, jenes Vertrauen, dass Gott sich nicht aus der Welt zurückgezogen hat, sondern heute noch am Werk ist und wir uns einfach ihm zur Verfügung stellen sollen und somit fähig werden, auf seinen Ruf zu hören, das ist für mich eine Botschaft von größter Bedeutung“.

Es gehe also nicht darum, erklärte Ratzinger. dass „ich etwas Großartiges leiste, um dann als Berühmtheit in die Geschichte einzugehen. Ganz im, Gegenteil: Ich habe nichts gemacht, aber es gibt jemanden, der in meinem Leben handelt, und ihm stelle ich mich einfach als Instrument zur Verfügung.“ Diese Einsicht habe der Selige gehabt, und so stehe auch der Name „Opus Dei“ zutiefst mit dem inneren Leben Escrivás in Beziehung. Andererseits müsse man auch respektieren, dass er über sein persönliches inneres Leben große Diskretion bewahrt habe: „Er offenbart uns nicht viel über sein religiöses Innenleben. In seinen Schriften lässt er uns nur verstehen, dass er sich in einem ständigen Dialog und einem sehr konkreten Kontakt mit Jenem befand, der für uns und mit uns am Werk ist.“ Ratzinger verglich diese Haltung Escrivás mit jener des „Moses, der mit Gott sprach wie mit einem Freund“. Auf diese Weise habe auch der selige Josemaria „die Türe der Welt“ geöffnet, „damit Gott in die Welt eintreten, in ihr tätig sein und sie verändern möge.“

Heilig sein, so Ratzinger, bedeute daher nicht, „dass jemand etwas Großes aus sich heraus gemacht hat, sondern dass in seinem Leben gerade das offenbar wird, was er nicht aus sich selbst heraus schaffen kann und er transparent für das Werk Gottes wird. In anderen Worten, heilig zu sein heißt nichts anderes als, mit Gott wie mit einem Freund zu reden.“

  • Die Tagespost, Würzburg