Über das Opus Dei und sein Verhältnis zu persönlichen Bildungsprojekten seiner Mitglieder

Anlässlich einer Grundsatzentscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes zugunsten der staatlichen Zulassung von monoedukativen Ersatzschulen

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Das Opus Dei ist Thema. Bei der anstehenden Papstwahl wird über die Bedeutung dieser internationalen Prälatur der Kirche berichtet. Zudem steht das Opus Dei bei der Gründung eines Berliner Jungengymnasiums im Fokus der Medien.

Bevor das Blitzlichtgewitter wieder beginnt, lohnt sich eine nüchterne Bestandsaufnahme. Was ist das Opus Dei? Wie ist seine Verbindung zu neuen und zu bewährten Bildungsinitiativen?

Die Fakten: Vor einem Monat hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden: Die Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e.V. darf in Potsdam ein reines Jungengymnasium gründen. Auch ein „Name“ für das Gymnasium wurde schnell gefunden – die meisten Medien titelten „Opus-Dei-Gymnasium“. „Das ehrt uns, ist aber nicht ganz richtig“, sagt Hartwig Bouillon, Pressesprecher des Opus Dei in Deutschland.

„Die Prälatur Opus Dei bürgt tatsächlich in einigen Fällen für die christliche Prägung und übernimmt die Seelsorge in Schulen, Universitäten oder Berufsbildungszentren. Dazu trifft man dann eine Vereinbarung mit dem Träger der Einrichtung. Die Gesamtverantwortung für Betrieb und Leitung bleibt stets beim Träger.“

„In anderen Fällen unterstützt das Opus Dei eine gemeinnützige Bildungseinrichtung geistlich, ohne aber für deren Bildungsarbeit verantwortlich zu sein – so ein Fall kann das Jungengymnasium werden“, erläutert Bouillon. Wie die Unterstützung genau aussieht, regelt dann nach gründlicher Prüfung eine Vereinbarung zwischen dem Träger und der Prälatur Opus Dei. Ein fertiges Projekt liegt noch nicht vor. Doch mit dem Mädchengymnasium Jülich funktioniert bereits seit vierzig Jahren eine Schule dieses Typs in Deutschland. Einige Mitglieder der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft sind Mitglieder des Opus Dei – „sie engagieren sich wie andere Bürger auch im Bildungsbereich auf eigene Verantwortung“.

Die Aufmerksamkeit, die das Opus Dei erfährt, sieht Bouillon positiv. „Jeder kennt uns, das Opus Dei. Aber kaum jemand weiß, was wir tatsächlich tun“, bestätigt Prälat Dr. Christoph Bockamp, Regionalvikar des Opus Dei in Deutschland.

Das Opus Dei (lateinisch für „Werk Gottes“) ist eine internationale Seelsorge-Einrichtung der katholischen Kirche mit Sitz in Rom. Gegründet wurde es am 2. Oktober 1928 in Madrid durch den spanischen Priester Josemaría Escrivá (1902–1975), der 2002 heiliggesprochen wurde. Seit 1994 hat Bischof Javier Echevarría das Amt des Prälaten inne. Seit 1982 ist das Opus Dei eine sogenannte Personalprälatur, die der Heilige Stuhl als einen Dienst der katholischen Weltkirche an den Ortskirchen (Bistümern) errichtet hat.

„Die 90 000 Mitglieder des Opus Dei arbeiten in über sechzig Ländern auf allen fünf Kontinenten, so auch in Deutschland“, sagt Prälat Bockamp. Den 600 Mitgliedern in Deutschland gehören Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, Berufen und Altersgruppen an. „Gut die Hälfte der Mitglieder des Opus Dei sind Frauen. Fast alle Mitglieder sind Laien, nur zwei Prozent Priester“, nennt Bockamp Zahlen.

„Die Frauen und Männer des Opus Dei sind nichts Besonderes, sie haben dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen Bürger und Katholiken“, führt der Prälat aus. Irgendeine Bevormundung gebe es nicht. Opus-Dei-Mitglieder handelten im privaten und beruflichen Leben in völliger persönlicher Freiheit und auf eigene Verantwortung. „Die Angehörigen des Opus Dei achten und verteidigen aktiv die Freiheit und die Meinungen der anderen“, betont Bockamp. „Wer dem Opus Dei angehört, der trägt seine Zugehörigkeit zum Werk als Laie ohne kirchliches Amt nicht wie eine Standarte vor sich her – versteckt es aber auch nicht“, so der Prälat weiter.

Das Ziel des Werkes sei einfach und klar definiert: "Das Opus Dei will allen Menschen helfen, in ihrem Alltag Christus zu begegnen“, sagt Hilde Müller,  Leiterin des „Campus Muengersdorf“ in Köln.

Müller zitiert den Gründer Escrivá: „Im Labor, im Operationssaal eines Krankenhauses, in der Kaserne, auf dem Lehrstuhl einer Universität, in der Fabrik, in der Werkstatt, auf dem Acker, im Haushalt …. wartet Gott Tag für Tag auf uns… Jede noch so alltägliche Situation birgt etwas Heiliges, etwas Göttliches in sich, und euch ist aufgegeben, das zu entdecken.“ Der Alltagsstress lasse oft keine Zeit, über Gott und damit auch über sich selbst nachzudenken. Wer will, dem helfe Opus Dei dabei, „in den zahllosen kleinen Dingen jeden Tages die guten Seiten und damit die Begegnung mit Gott zu erkennen“, erklärt Opus-Dei-Mitglied Müller. Die Aufgabe sei so natürlich wie schwierig: „Nächstenliebe, Toleranz und Freude in den Alltag hineintragen, mit Gottes Hilfe – an den Arbeitsplatz, in die Familie, wohin auch immer.“

Dazu biete das Werk Gespräche, Kurse und Tagungen in kleinen Gruppen an, so Pressesprecher Bouillon – und eben auch die geistliche Prägung von Bildungseinrichtungen wie möglicherweise einem Jungen- und einem Mädchengymnasium in Potsdam.

Zu verbergen habe man nichts, sagt Prälat Bockamp: „Es heißt immer mal wieder, wir seien eine Geheimorganisation – das ist Quatsch, wir freuen uns über jeden Besuch. Unter www.opusdei.de kann sich jeder über uns informieren“.