Botschaft des Prälaten (7. Juli 2017) "Christus an die Spitze stellen!"

In seiner Botschaft vom 7. Juli 2017 aus Enxomil in Portugal fragt der Prälat des Opus Dei Fernando Ocariz "Was erwartet Gott heute von uns Christen?"

Pastoralbriefe und Botschaften
Opus Dei - Botschaft des Prälaten (7. Juli 2017) "Christus an die Spitze stellen!"

Bei meinem Gebet in Fatima, das ich mit euch allen gehalten habe, bin ich vor unserer himmlischen Mutter einige der Herausforderungen dieser unserer Welt durchgegangen, die ebenso komplex wie faszinierend sind. Was erwartet Gott heute von uns Christen? Dass wir uns den Fragestellungen und Bedürfnissen der Menschen stellen, um allen das Evangelium in seiner ursprünglichen Frische und gleichzeitig in seiner leuchtenden Neuheit zu bringen. Zwei Szenen vom Fischfang auf dem See Gennesaret, die ein Licht auf die Schifffahrt der Christen auf dem Meer der Geschichte werfen, bestimmen die Koordinaten dieser Aufgabe: die kraftvolle Einladung des Meisters zur Kühnheit – „Fahr hinaus auf den See“ (Lk 5, 4) – und jener Ausruf des Lieblingsjüngers: „Es ist der Herr!“ (Joh 21, 7), ein Widerschein der aufmerksamen und feinfühligen Treue, die es möglich macht, Jesus zu erkennen.

Auf das Meer der Welt hinauszufahren heißt nicht, die Botschaft oder den Geist der jeweils aktuellen Lage anzupassen, denn das Evangelium enthält in sich selbst die Fähigkeit, alle erdenklichen Situationen zu erhellen. Es handelt sich vielmehr um einen Ruf an jeden von uns, sich mit seinen geistlichen und intellektuellen Anlagen, seinen beruflichen Kompetenzen oder seiner Lebenserfahrung, und auch mit seinen Grenzen und Fehlern, einzusetzen und herauszufinden, wie er extensiver und intensiver an der immensen Aufgabe mitarbeiten kann, Christus an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten zu stellen. Dafür ist es nötig, die Zeit, in der wir leben, in ihrer Tiefe auszuloten, die dynamischen Prozesse, die sie durchziehen, und ihre charakteristischen Möglichkeiten zu erkennen, aber auch die Grenzen und die zum Teil gravierenden Ungerechtigkeiten, die sie belasten, im Blick zu haben. Vor allem jedoch ist unsere persönliche Verbindung mit Christus im Gebet und in den Sakramenten von unverzichtbarer Bedeutung. Nur so können wir uns stets bereit halten für das Wirken des Heiligen Geistes, um voll Liebe an die Herzenstüren unserer Mitmenschen zu klopfen.

Enxomil, 7. Juli 2017