Eine Familie, die gemeinsam betet, bleibt vereint

Gott ist beim Abenteuer "Ehe und Familie" immer anwesend, erläutert Autorin Rosemarie Aguilar in ihrem Beitrag. Glaube und Frömmigkeit eröffnen der Familie zudem eine apostolische Sendung.

Menschliche Liebe
Opus Dei - Eine Familie, die gemeinsam betet, bleibt vereint

Wir haben wirklich Glück: in der Ehe geht es nämlich nicht nur um zwei Personen, sondern um drei. Ihr denkt, wer ist denn der Dritte? Der kann doch nur stören! Es ist aber eine Tatsache, dass außer den Ehegatten noch ein anderer größtes Interesse daran hat, dass die Ehe gelingt, und dass jeder Ehepartner die Heiligkeit erlangt: nämlich Gott selbst.

Jesus Christus hat die Ehe, eine naturgegebene Institution, zur Erhabenheit eines Sakramentes erhoben, um den Ehegatten für diesen wunderbaren Weg besondere Gnade zu schenken, so dass sie eine neue „Hauskirche“ gründen konnten. Er lässt sie außerdem nicht allein, sondern nimmt an ihrem Leben teil, als ob er sagen wollte: „Ich nehme an allem teil, was euch betrifft, mag es klein oder groß, bleibend oder vergänglich sein. Ihr könnt meinen Weg gehen, und da gibt es alles Mögliche: Nazaret, Betanien… und auch den Kalvarienberg. Aber dort endet der Weg nicht, denn da gibt es auch die Auferstehung. Habt Vertrauen, denn ich werde immer bei euch sein und euch jeden Tag den nötigen Mut schenken.“

Der hl. Josefmaria sagte: „Die Ehe hat den Sinn, dass die Eheleute sich in ihr und durch sie heiligen, und das von Christus eingesetzte Sakrament verleiht ihnen dazu eine ganz besondere Gnade. Wer zur Ehe berufen ist, findet mit der Gnade Gottes in diesem Stand alles Erforderliche, um heilig zu werden, um sich Tag für Tag mehr mit Christus zu vereinigen und die Menschen, mit denen er zusammenlebt, Christus näherzubringen.“ 1

Das Eheleben ist ein wirklicher Weg zur christlichen Heiligkeit. Der Trick besteht darin, dass das Ehepaar, das glücklich werden möchte, in jeder Situation vor allem versucht, den Willen Gottes zu erfüllen, und so zu lieben, wie Er uns geliebt hat. Deshalb ist in einer Familie der glücklicher, der sich um die anderen kümmert, denn dann sorgen die anderen für sein Glück, und natürlich Gott, der uns nie im Stich lässt.

Papst Franziskus sagte in seiner Katechese über die Familie: „Er hat der Familie nicht die Sorge um ein sich selbst genügendes »Zuhause« anvertraut, sondern das spannende Projekt, die Welt »heimisch« zu machen. Gerade die Familie steht am Anfang, ist die Grundlage dieser globalen Kultur und rettet uns; sie rettet uns von vielen, vielen Angriffen, vielen Zerstörungen, vielen Kolonialisierungen – wie jener durch das Geld oder durch Ideologien, die die Welt so sehr bedrohen. Die Familie ist die Grundlage, um sich zu verteidigen!“ 2

Nahe bei Gott bleiben

Es lohnt sich also, den Sinn der sakramentalen Ehe wieder neu zu entdecken. Man darf sie nicht nur als festliches Familienereignis sehen. Das ist sie auch, aber wir sollten das, was wir dabei in Angriff nehmen, in seiner ganzen Tiefe verstehen: es geht ja darum, dass sich die beiden einander als Ehegatten hingeben und annehmen. Sie nehmen dabei teil am Geheimnis der Liebe zwischen Christus und seiner Kirche. Deshalb ist die Verlobungszeit so entscheidend dafür, wie wir Gott in das Zentrum unseres persönlichen Lebens rücken, so dass Er ein Teil wird von mir, von dir und von uns beiden, weil wir uns öffnen für die Kinder und für andere Familien. Der Mann kann in seiner Frau nicht das Beste erwecken, und die Frau nicht in ihrem Mann, wenn sie Gott nicht nahe sind. Für das eheliche Glück ist es der springende Punkt, ob man Gott nahe ist oder nicht.

Von unserer Ehe ausgehend können wir auch ganz ohne eigenes Verdienst zum Licht werden für andere. Ohne es in Worte zu fassen, besagt dieses Licht, dass Gott in unserem Leben gegenwärtig ist, denn alles in unserer Ehe und unserer Familie wird auf natürliche Weise übernatürlich. Wir tun nichts Eigenartiges. Wir arbeiten wie alle anderen, wir gehen aus und vergnügen uns wie die anderen, wir lachen wie die anderen, wir haben unserem Alter entsprechende Sorgen, Träume, Wünsche, die wahr werden oder nicht… Aber dies alles versuchen wir, in die Hände Gottes zu legen, darin besteht der Unterschied. Wir erleben das vor dem Hintergrund der Freude. Wenn ein Kind schwierig ist, oder wenn es so aussieht, als ob wir keine Kinder bekommen könnten, oder wenn jemand krank ist, dann weinen wir, wie die anderen… Aber dabei stehen wir mit beiden Füßen fest auf der Erde und richten den Blick zum Himmel.

„So wird alles, von Liebe getragen, dazu führen, Freud und Leid zu teilen, die eigenen Sorgen zu vergessen, um für die anderen da zu sein, dem Ehepartner oder den Kindern zuzuhören und ihnen so zu zeigen, dass man sie wirklich liebt und weiß, über kleinere Klippen hinwegzugehen, die der Egoismus in Berge verwandeln könnte, dass man eine große Liebe in die kleinen Dinge hineinlegt, aus denen das tägliche Miteinander besteht.“3

Die christliche Tradition empfiehlt, dass man in der Familie zusammen betet, wobei man die Freiheit und das Alter der Kinder berücksichtigen soll. Man sollte ja den Glauben weitergeben und nicht den anderen aufzwingen. Denn durch diese kleinen, aber konkreten Frömmigkeitsübungen in der Familie wurde der Glaube von Generation zu Generation weitergegeben. Dazu gehört, dass man am Morgen betet und Gott den Tag darbringt, und der „Engel des Herrn“ zu Mittag, und am Abend drei „Gegrüßet seist du, Maria“. Man besucht mit der Familie die Sonntagsmesse und betet vielleicht öfter gemeinsam den Rosenkranz, denn es heißt ja, dass eine Familie, die gemeinsam betet, auch vereint bleibt. Auch das Tischgebet eint die Familie sehr, wie uns Laudato si erinnert: „Ein Ausdruck dieser Haltung ist, vor und nach den Mahlzeiten innezuhalten, um Gott Dank zu sagen. Ich schlage den Gläubigen vor, diese wertvolle Gewohnheit wieder aufzunehmen und sie mit Innigkeit zu leben. Dieser Moment des Segensspruchs erinnert uns, selbst wenn er ganz kurz ist, an unsere Abhängigkeit von Gott für unser Leben, unterstützt unser Empfinden der Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung, erkennt jene an, die mit ihrer Arbeit diese Güter besorgen, und stärkt die Solidarität mit denen, die am meisten bedürftig sind.“ 4

Die richtige Zeit respektieren

Wir Eheleute haben am Tag unserer Hochzeit einander versprochen, uns gegenseitig zu unterstützen, und uns dazu verpflichtet. Diese gegenseitige Hilfe eröffnet dem Partner Horizonte, so dass er das Beste aus sich herausholt, und ermuntert ihn dazu, Gott näher zu kommen, ohne dass man ihn irgendwie bedrängt oder ihm lästig fällt. Denn die beste und wirksamste Art, Menschen zu Gott zu führen, das compelle intrare (Lk 14, 23) des Evangeliums, besteht darin, dass man sie liebt und dass man für den Ehepartner und die Kinder betet. Für uns alle ist ja das Wichtigste, dass wir den Partner in den Himmel führen. Natürlich muss man ihm dabei helfen, dass er es auch selber schätzt.

Man muss die verschiedenen Zeiten des Partners respektieren, auch die Krisenzeiten, die es geben kann, indem man einfach da ist und den Partner begleitet, für ihn betet und ihm nicht auf die Nerven geht. Das gilt natürlich auch anders herum: jeder sollte es respektieren, wenn der Partner eine Zeit dem Umgang mit Gott widmen möchte und man dies nicht teilt. Das bedeutet keine Störung, sondern eine Bereicherung für die Ehe. Der gegenseitige Respekt ist wichtig, und ganz besonders in Gewissensangelegenheiten, denn dort öffnet jeder Gott gegenüber sein Inneres und trifft in Freiheit Entscheidungen von größter Tragweite für sein Leben. Der vertraute Umgang mit Gott ist etwas ganz Persönliches. Jeder muss seinen ganz persönlichen Weg zu Ihm entdecken, wobei der Ehegatte immer auch involviert ist. Und das bedeutet immer eine Bereicherung für beide.

Gott ist bei diesem Abenteuer der Ehe immer auch anwesend, denn Er hat das so gewollt, weil Er uns so sehr liebt und unser Glück wünscht. Er wollte ja auch, dass wir zum Licht für andere werden und mit unseren Kindern zusammen eine echte „Hauskirche“ bilden. „In dem Maße, wie die christliche Familie das Evangelium annimmt und im Glauben reift, wird sie zu einer verkündigenden Gemeinschaft. (…) Diese apostolische Sendung der Familie wurzelt in der Taufe und empfängt durch die sakramentale Gnade der Ehe eine neue Kraft, die heutige Gesellschaft nach den Absichten Gottes zu heiligen und zu verändern.“ 5 Wie groß ist doch die Sendung, zu der Gott die Eheleute berufen und die er ihnen in die Hände gelegt hat! Wie wunderbar ist die Verantwortung, dass wir bei der Entstehung einer Gesellschaft dabei sein können, die durch die Liebe Christi erneuert wird! Für diese Aufgabe brauchen wir unbedingt seine Hilfe.

Rosamaría Aguilar


1 Hl. Josefmaria, Gespräche, Nr. 91.

2 Papst Franziskus, Generalaudienz, 16.9.2015.

3 Hl. Josefmaria, Christus begegnen , Nr. 23.

4 Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si’ , Nr. 227.

5 Hl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio , Nr. 52.