Wie man sicher durch die digitalen Welten navigieren kann

Das Geheimnis des familiären Glücks liegt im Alltäglichen, wozu auch die Nutzung aller zivilisatori-schen Fortschritte gehört, die dazu dienen, dass das Zuhause angenehm und das Leben einfacher wird.

Internet und Soziale Medien

Wer sich heutzutage auf das Abenteuer Erziehung einlässt, muss auch lernen und lehren, mit den Kommunikationsmedien so umzugehen, dass ihr Gebrauch uns hilft, als Menschen reifer zu werden. Es wäre allerdings wenig erfolgreich, wollte man den Gebrauch der neuen Kommunikationsmittel bloß verbieten. Verbote sind nicht das beste Mittel in der Erziehung, im Gegenteil. Besser ist es, die Medien zum Guten zu nutzen, entsprechend dem Rat des Heiligen Vaters Franziskus, der sagt, dass uns gute Kommunikation helfen kann, „einander besser zu kennen und stärker miteinander verbunden zu sein[1].

Der richtige Weg wird sein, die Jüngeren an der Hand zu nehmen, damit ihr Gewissen gebildet und so für die Herausforderungen des Alltags vorbereitet wird. So wachsen sie heran und lernen in dieser Zeit, sich in jeder Umgebung natürlich und als Christen zu verhalten. Die Erziehung sollte Tugenden fördern und Überzeugungen grundlegen, so dass Heranwachsende ihr Temperament zu zügeln und ihre Leidenschaften zu beherrschen lernen. Dann können sie die Hindernisse auf dem Weg des Guten mit Freude überwinden, auch in der digitalen Welt. Da jeder Mensch anders ist, muss man herausfinden, wie man den Einzelnen anspricht und zu welchem Zeitpunkt Mutter oder Vater allein sind und gemeinsam darüber reden können, wie sie jedem Kind helfen wollen.

Die Erziehung sollte die Jugendlichen dazu befähigen, Herr ihrer selbst zu sein. Dies ist erreichbar, wenn man ihnen hilft, sich in konkreten Punkten zu bemühen, in kleinen Kämpfen zu siegen, einen Tagesplan zu haben, die Arbeitszeit der anderen zu respektieren, und sich nicht zu jeder beliebigen Zeit mit Videospielen zu beschäftigen oder ins Netz zu gehen. Wie der hl. Johannes Paul II. betonte, „Jeder von euch hat solche Mühen und Anstrengungen nötig, in denen nicht nur der Körper gestählt wird, sondern der ganze Mensch die Freude darüber erfährt, sich zu beherrschen und Hindernisse und Widerstände zu überwinden. Gewiss ist dies eines der Elemente jenes „Wachsens“, das die Jugend charakterisiert[2].

Selbstbeherrschung

Der Katechismus der katholischen Kirche beschreibt die Aufgabe des Maßes im Sinne von «mäßigen», «aufrecht erhalten», «sichern», «orientieren», «bewahren»... Die Mäßigkeit führt zur Beherrschung beim Gebrauch der geschaffenen Dinge. Man erwirbt sie, indem man die Neigungen auf das Gute «hinordnet». Wenn diese Tugend gelebt wird, „gewinnt das Leben die Farben wieder, die die Unmäßigkeit verdunkelt hatte: sich um andere kümmern, Eigenes teilen, Aufgeschlossenheit für das Große werden wieder möglich[3].

Die digitale Etikette

„Das Suchen nach digitalen Verbindungen kann uns auch von unseren Nächsten isolieren, von den Menschen, die wir an unserer Seite haben[4]. Eine stets aktuelle Aufgabe ist der persönliche Umgang; denn wichtige Inhalte gibt man normalerweise direkt, „von Angesicht zu Angesicht“ weiter. Man bespricht oder löst sie nicht virtuell, in kleinen Botschaften. Im eigenen Zuhause diese Art von diplomatischem Vorgehen zu etablieren, könnte nützlich sein. Aber um sich zu entschuldigen für ein schlechtes Benehmen oder um ein Vorhaben größeren Ausmaßes zu besprechen, sollte man den echten Dialog suchen.

Gut ist es auch, zu verdeutlichen, welchen Wert es hat, sich nicht von momentanen Einfällen leiten zu lassen. Überstürzte Entscheidungen können Anlass zu Unhöflichkeit und mangelndem Respekt dem Nächsten gegenüber sein. Man sollte auch noch andere Regeln der „digitalen Etikette“ berücksichtigen wie zum Beispiel die, nicht das Handy zu bedienen, wenn man mit jemand anderem spricht, besonders, wenn es sich um eine ältere Person handelt; die elektronischen Geräte während der Mahlzeiten abzustellen oder den Turnus zu beachten, der ggf. in der Familie den Zugang zu Spielkonsolen oder Computer regelt, etc.

Man sollte auch erklären, warum es nicht sinnvoll ist, mit „heißer Feder“ sofort zu antworten, vor allem in Medien, mit denen viele Leute verbunden sind, in sozialen Netzwerken, Whatsapp-Gruppen, etc. Dort sollte man keine langen Erklärungen abgeben oder Entscheidungen mitteilen, wenn man verletzt oder verärgert ist, da bei solchen Gelegenheiten die Leidenschaft einen leicht hinreißen kann, Dinge zu sagen oder zu schreiben, die einem nach kurzer Zeit schon leidtun. Wenn Eltern aufmerksam sind und merken, dass eins ihrer Kinder sich zum Zorn oder zu voreiligen Reaktionen hat hinreißen lassen, ist das eine gute Gelegenheit für ein tieferes Gespräch, in dem sie ihm helfen, das eigene Temperament zu zügeln und nicht unter dem Einfluss momentaner Leidenschaften zu handeln, sondern mit Ruhe und Überlegung.

Die Neugier im Zaum halten

Ein guter Weg, das Vertrauen der Kinder zu ihren Eltern zu festigen, ist es, von klein auf ihren Wissensdurst zu stillen, der nach dem Warum der Dinge fragt. Ein Kind ist seinen Eltern gegenüber offen, wenn es immer wieder die Erfahrung macht, dass sie ihm bei allem zuhören. Sie sollten es ihm leichtmachen, die Fragen zu stellen, die es hat. Wenn sie selbst die Antwort nicht wissen, können sie ruhig sagen: „Ich weiß es nicht, werde mich aber erkundigen“, und wenn sie es wissen, erklären sie es ihm.

Wenn Kinder Vertrauen zu ihren Eltern haben und ihnen ihre Fragen stellen, werden sie nicht alle Erklärungen nur im Internet suchen. Viele Eltern sind besorgt wegen der Leichtigkeit, mit der man im Netz auf pornographische Seiten oder möglicherweise schädliche Inhalte zugreifen kann, wie beispielsweise Botschaften, die Hass schüren, oder Informationen zur Herstellung von Waffen etc. Manchmal kommt man sogar auf solche Seiten, ohne sie gesucht zu haben. Es genügen ein paar Klicks, und schon findet ein neugieriges Kind massenhaft Material voller Hass und Gewalt oder voller Sinnlichkeit. Solche Informationen stehen sogar auf Webseiten, die harmlos aussehen. Deshalb ist es nötig, darauf zu bestehen, dass sie das Internet mit einer klaren Zielsetzung benutzen und nicht, um Zeit zu verbringen. Und wenn sie trotzdem unbeabsichtigt auf unpassende Inhalte stoßen, sollten sie sie wegklicken, ohne der Neugier nachzugeben und so dem Rat des hl. Josefmaria folgen: „Lass es mich wiederholen: Habe den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen – spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest[5].

Gelegentlich kann es sinnvoll sein, die Kinder um Hilfe zu bitten, um persönliche Daten in ein soziales Netzwerk zu stellen, oder um mit ihnen über eine Spam-Mail zu reden, die Mutter oder Vater bekommen hat. So kann man ihnen Kriterien an die Hand geben, denn letztendlich sind es die Kinder selbst, die entscheiden und handeln müssen. Die Eltern sollten daher das Risiko des Vertrauens eingehen, um sie ihrem zunehmenden Alter entsprechend ihrer eigenen Verantwortung zu überlassen.

Helfen, die Aufmerksamkeit zu zentrieren

Häufig hört man den Einwand, die neuen Technologien förderten die Oberflächlichkeit. Was man aber nicht sagen hört, ist, dass das Problem in der Zerstreuung der Aufmerksamkeit liegt, die dann entsteht, wenn man drei oder vier Dinge gleichzeitig macht. Manche Jugendliche hören Musik, während sie ein Buch lesen, und dabei beobachten sie die Aktualisierungen in den sozialen Netzwerken und achten auch noch auf die Botschaften, die auf ihrem Smartphone ankommen. Die einzelnen Tätigkeiten vermischen sich. Sicher kann man manches gleichzeitig machen, aber klar ist auch, dass es Dinge gibt, für die eine höhere Konzentration nötig ist wie etwa das Studium. Normalerweise ist das Gehirn nicht fähig, sich mit derselben Intensität verschiedenen Aufgaben gleichzeitig zu widmen. Es ist äußerst nützlich, den jungen Menschen Hilfen anzubieten, damit sie ihre Aufmerksamkeit zu zentrieren lernen; diese Ratschläge werden sie auch in ihren Beruf begleiten und ihre Arbeitsleistung verbessern.

In diesem Zusammenhang muss man Grundsätzliches klären. Auf die Frage: Warum kann ich jetzt nicht ein Video sehen, das nur drei Minuten dauert? wird man sinnvoll antworten, dass es nicht bloß um die drei Minuten geht, sondern darum, uns nicht anzugewöhnen, jedem Reiz in unserer Umgebung nachzugehen, der uns von der Aufgabe ablenkt, die wir gerade erfüllen. Tu, was du sollst, und sei ganz in dem, was du tust[6].

Wie Papst Franziskus sagt: „Wir müssen einen gewissen Sinn für Langsamkeit und Ruhe wiedergewinnen. Das verlangt die Zeit und die Fähigkeit, Stille zu schaffen, um zuzuhören[7]. Es gilt, sich gegen die Zerstreuungen zu wappnen. Es lohnt sich, eine allzu geteilte Aufmerksamkeit zu vermeiden, damit wir uns auf das konzentrieren können, womit wir uns beschäftigen sollen, und auch, damit wir in Ruhe beten können. Andernfalls wird das alles sehr schwierig, wenn man zulässt, dass die Sinne und Kräfte aus jeder Pfütze trinken. Ergebnis: Du kannst dich nicht konzentrieren, du bist zerstreut, dein Wille schläft, deine Begehrlichkeit ist hellwach[8].

Die gefährliche Attraktivität der Eitelkeit

Viele aktuelle technologische Fortschritte verstärken den Individualismus, wenn sie nicht in rechter Weise genutzt werden, sondern alles oberflächlich nur darauf ausgerichtet ist, das äußere Erscheinungsbild zu optimieren. «Die Jugendlichen sind gegenüber der Sinn- und Werteleere, die sie oft umgibt, besonders sensibel. Und leider zahlen sie die Konsequenzen»[9].

Ein Zeichen der Eitelkeit ist die Besessenheit, die Anzahl an Kontakten (friends/followers) in der digitalen Sphäre möglichst zu erhöhen. In den sozialen Netzwerken finden diejenigen viele Freunde, die ständig Interessantes, Lustiges oder Persönliches veröffentlichen. „Bedeutung und Wirksamkeit der verschiedenen Ausdrucksformen scheinen mehr durch ihre Popularität bestimmt zu werden als aufgrund der ihnen innewohnenden Bedeutung oder Gültigkeit. Ihre Popularität hängt mehr vom Prestige oder von der Strategien der Überredung ab als von der Logik der Argumentation[10].

Eine mögliche Versuchung kann darin bestehen, Intimitäten zu veröffentlichen, die die Aufmerksamkeit anderer erregen oder deren Neugier wecken. Die jungen Leute sollten nicht in diese Falle tappen, sondern um höhere Ziele kämpfen. Eine lebendige Kommunikation in der Familie kann eine Hilfe sein, grundsätzliche Zusammenhänge besser zu verstehen und in einer vertrauensvollen Atmosphäre Fragen zu stellen und Unsicherheiten zu formulieren. Der hl. Josefmaria gab den Rat, mit den Kindern gut umzugehen, sie mit liebevollem Blick heranwachsen zu sehen und nach und nach die Leine locker zu lassen, denn das brauchen sie zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Freiheit.

Geselligkeit

Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen. Uns mitzuteilen und mit anderen in Kontakt zu sein ist Teil unserer persönlichen Entwicklung. Jeder bewegt sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen: Familie, Freunde, Bekannten. Die Jugend ist die Zeit, in der diese Beziehungen Form annehmen und vor allem auch Inhalt bekommen. Die Notwendigkeit, Beziehungen aufzubauen, geht Hand in Hand mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Die neuen Technologien bieten den Jugendlichen Mittel, den Zusammenhalt in einer Freundesgruppe zu festigen. So ist es üblich geworden, virtuelle Gruppen zu bilden und Inhalte mit restriktivem Zugang zu teilen.

Die social media werden auch als Mittel genutzt, die Freundschaften zu festigen, die außerhalb des Netzes entstanden sind. Es werden aber auch von Freunden Bekannte akzeptiert, die ursprünglich nicht zum engsten Kreis gehören. Daher sollte man ihnen bewusst machen, dass unter Umständen der veröffentlichte Inhalt einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann Jugendliche aber auch extrem abhängig machen von den aktuellen Mitteilungen ihrer Freunde, von den ständig neuen Interaktionen. Es kann sogar sein, dass sie bei gemeinsamen Treffen oder auf Festen stärker auf die Fotos achten, die sie machen und möglichst sofort ins Netz stellen, als die Gespräche mit den Leuten zu genießen, die anwesend sind. Es ist eine Herausforderung, solche Situationen nicht vorübergehen zu lassen, ohne sie in liebenswürdiger Form zur Achtung vor den anderen, zu guten Umgangsformen und Feingefühl zu erziehen.

Stärke und Freiheit

Wenn man Jugendlichen beibringt, Nein zu sagen, lehrt man sie, aus ganzem Herzen Ja zu sagen, indem man ihnen die Schönheit der Tugenden vor Augen führt, die der Weg zu einem gelingenden Leben sind. Es ist also eine große Hilfe, ihnen zu zeigen, wie wertvoll ein vernünftig begründeter Widerstand ist, und die Fähigkeit, wenn nötig, klar und deutlich nein sagen zu können. Dies kann nämlich ein konkreter Beweis für Selbstbeherrschung sein, ohne dass man die gemessene und angenehm souveräne Haltung verliert oder die guten Umgangsformen vergisst.

Kinder finden in ihren Eltern die größten Verteidiger ihrer persönlichen Freiheit. Freiheit gepaart mit Verantwortung, ist - entsprechend ihrem Alter - in Bezug auf ihre elektronischen Geräte zu respektieren. Wenn sie ein Smartphone oder Tablet haben, sollten sie ein Passwort dafür haben, auch wenn man ihnen vorschlagen kann, dass sie es ab und zu mit einem Geschwisterkind teilen, wobei die Inhalte zugänglich bleiben. So lernen sie, dass nichts ihnen alleine gehört, sondern dass andere Familienmitglieder gegebenenfalls an ihr Gerät gehen, nicht um zu „schnüffeln“, sondern aus familiärer Solidarität und der Notwendigkeit der zu bewahrenden Unabhängigkeit.

Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass das Geheimnis des Glücks in der Familie im Alltäglichen liegt, auch in einem rechten Ausnützen der Errungenschaften, die uns die moderne Technik bietet, um die Wohnung angenehmer und das Leben einfacher zu machen und uns eine umfassendere Bildung zu verschaffen[11].

Juan Carlos Vásconez


[1] Papst Franziskus, Botschaft zum 48.Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 23. Januar 2014.

[2] Hl. Joh. Paul II., Apostolisches Schreiben Dilecti Amici, Nr. 14.

[3] Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, 84.

[4] Papst Franziskus, Botschaft zum 48. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 23. Januar 2014.

[5] Hl. Josefmaria, Spur des Sämanns, Nr. 137.

[6] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 815.

[7] Papst Franziskus, Botschaft zum 48. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 23. Januar 2014.

[8] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 375.

[9] Franziskus, Angelus auf dem Petersplatz, Sonntag, 4. August 2013.

[10] Benedikt XVI., Botschaft zum 45. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 5. Juni 2011.

[11] Hl. Josefmaria, Gespräche, 91.