Die Erziehung im Hinblick auf die neuen Technologien

Heutzutage beeinflusst die Technik in großem Ausmaß das Leben der Menschen. Wir müssen sie beherrschen, damit ihre Verwendung uns hilft, uns als Menschen zu entfalten, wie in diesem Artikel dargelegt wird.

Familienleben
Opus Dei - Die Erziehung im Hinblick auf die neuen Technologien

Die neuen Generationen sind in eine vernetzte Welt hineingeboren worden, die ihre Eltern nicht kannten. Schon sehr früh haben sie Zugang zum Internet, zu sozialen Netzwerken, zu „Chats“, zu Videospielen. Ihre Lernfähigkeit auf diesem Gebiet wächst im gleichen schwindelerregenden Tempo, in dem sich die neuen Technologien entwickeln.

Schon in sehr frühem Alter stehen die Kinder und Jugendlichen einem scheinbar grenzenlosen Universum gegenüber. Das eröffnet ihnen den Zugang zu einer Fülle von guten Dingen, birgt aber gleichzeitig einige Gefahren in sich, die umso dringender die Nähe und Anleitung der Eltern benötigen.

Es empfiehlt sich, auf das “digitale Zeitalter” positiv zuzugehen, denn «wenn [die neuen Technologien] vernünftig genutzt werden, können sie dazu beitragen, das Verlangen nach Sinn, nach Wahrheit und nach Einheit zu stillen, das die tiefste Sehnsucht des Menschen bleibt» i.

Aber die Wirklichkeit stellt einen gleichzeitig vor Tatsachen, die nicht übersehen werden dürfen: zum Beispiel, dass das übermäßige Sitzen der Kinder vor den Bildschirmen zur Gefährdung der Gesundheit wie Fettleibigkeit und zu einem aggressiveren oder schwierigeren Verhalten in der Schule geführt hat.

Die Technik beeinflusst einen Großteil des Lebens der Menschen unserer Tage. Wir müssen sie in den Griff bekommen, damit ihre Verwendung uns hilft, uns als Menschen zu entfalten, und darauf achten, dass sie von den Kindern in angemessener Weise genutzt wird. Die Erziehung benötig eine Menge an Geduld und Planung, wenn es aber um die neuen Technologien geht, ist es außerdem notwendig, dass sich die Eltern einige Kenntnisse, einen gewissen Überblick und etwas Erfahrung aneignen, um sie richtig beurteilen und die Kinder entsprechend anleiten zu können.

Immer häufiger sind die elektronischen Geräte dauernd mit dem Internet verbunden. Das macht es möglich, sehr weit gestreute Zielgruppen zu erreichen und Mitteilungen sofort und fast kostenlos zu verbreiten. Gleichzeitig ruft es die Unsicherheit hervor, wer auf diese Inhalte Zugriff hat und wann sie stattfinden.

Wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, sind die neuen Technologien nicht bloß ein Werkzeug, das die Verbreitung und das Niveau der Kommunikation verbessern kann, sondern sie haben in gewisser Weise eine eigene Umwelt, einen Marktplatz geschaffen ii. Sie sind eines der Verbindungsnetze der Kultur geworden, über die man seine Identität ausdrückt iii.

Heute besteht eine der Aufgaben der christlichen Eltern darin, den Kindern beizubringen dieses Umfeld zu heiligen, indem sie ihnen helfen, sich in der digitalen Welt tugendhaft zu verhalten, und ihnen bewusst machen, dass auch das ein Bereich ist, in dem man seine christliche Einstellung zu erkennen geben kann. Bei den häufigen und einschneidenden Veränderungen würde es nichts bringen, nur eine Liste mit Verhaltensregeln aufzustellen, die gleich darauf überholt sein würden. Die Erziehungstätigkeit muss auf das Ausbilden der Tugenden abzielen. Nur so wird es den Kindern und Jugendlichen möglich sein, ein gutes Leben zu führen, ihre Leidenschaften in Ordnung zu halten, ihre Handlungen zu kontrollieren und die Schwierigkeiten freudig zu überwinden, die sich ihnen beim Erstreben der Guten in der digitalen Welt entgegenstellen. Wie Papst Franziskus sagt, «handelt (es) sich nicht hauptsächlich um eine technologische Problematik. Wir müssen uns fragen: Sind wir auch auf diesem Gebiet fähig, Christus zu bringen, oder besser: zur Begegnung mit Christus zu führen iv.

Damit die Kinder nicht unnötigen Gefahren ausgesetzt werden, muss man gleichzeitig überlegen, ab wann es angebracht ist, ihnen die Verwendung elektronischer Geräte zu ermöglichen, und welche gerade für ihr jeweiliges Alter am besten geeignet sind. In vielen Fällen wird es möglich sein, dass «ein Filter benutzt wird, wenn das technisch und finanziell durchführbar ist, damit sie so viel wie möglich vor Pornographie, sexuellen Beutefängern und anderen Gefahren beschützt werden» v.

Gleichzeitig soll man sich bewusst sein, dass das tugendhafte Leben der einzige Filter ist, der nie versagt und immer zur Verfügung steht.

Die Tugenden ins Spiel bringen: die Bedeutung des guten Beispiels

Die Familie ist eine Schule der Tugenden: sie wachsen mithilfe der Erziehung, anhand freier Handlungen und durch die ständige Anstrengung. Die Gnade Gottes läutert und erhebt sie vi

Weil die Familie der Ort ist, wo die ersten Vorstellungen von Gut und Böse und von den Werten vermittelt werden, ist das Elternhaus der Platz, wo das Gebäude der Tugenden aller Kinder errichtet wird.

Es gibt Lebensstile, die es den Kindern leichter machen Gott zu begegnen, und andere, die es erschweren. Natürlich versuchen christliche Eltern ihre Kinder zu einer christlichen Einstellung und Herzlichkeit zu erziehen und werden die Mittel einsetzen, um aus ihrer Familie eine Schule der Tugenden zu machen. Das Ziel ist, dass jedes der Kinder lernt, seine Entscheidungen, dem jeweiligen Alter entsprechend, mit menschlicher und geistiger Reife zu treffen. Die neuen Technologien sind eine weitere Sache, die man in den Gesprächen und bei den organisatorischen Familienregeln berücksichtigen muss, die normalerweise nur wenige sind und vom Alter der Kinder abhängen.

Die Tugenden lassen sich nicht in einem bestimmten Lebensbereich leben und in einem anderen nicht. Zum Beispiel wird das, was einem Kind hilft, in den Ess- und Spielgewohnheiten nicht launenhaft zu sein, auch zu einem besseren Verhalten in der digitalen Welt verhelfen, und umgekehrt.

Die neuen Technologien ziehen alle an. Das Beibringen der Tugenden schließt mit ein, dass die Eltern es verstehen, die an sich selbst gestellten Forderungen an die Kinder zu übertragen und Beispiel zu geben beim Maßhalten. Wenn die Kinder Zeugen unserer Kämpfe sind, werden auch sie angespornt sein, mehr zu geben. Zum Beispiel wenn wir ihnen bei einem Gespräch aufmerksam zuhören und die Zeitung zur Seite legen, den Fernseher abschalten, denjenigen, der gerade spricht, anschauen oder nicht ständig auf das Telefon achten. Und wenn es ein wichtiges Gespräch ist, schalten wir alle Geräte ab, um Störungen zu vermeiden. Die Erziehung «fordert von [den Eltern] Verständnis, Klugheit, die Fähigkeit zu lehren und vor allem die Fähigkeit zu lieben, sowie das Bestreben, ein gutes Beispiel zu geben» vii.

Wenn sie sehr klein sind

Die Kindheit ist die Zeitspanne, in der man beginnt die Tugenden zu üben und lernt die Freiheit richtig zu verwenden. Diese Altersstufe ist tatsächlich ein Zeitabschnitt, in dem man besonders geneigt ist, den Charakter zu entwickeln. Wir können sagen, dass in dieser Zeit die Autobahnen gebaut werden, auf denen man im Leben fahren wird.

Auch wenn jede Allgemeinregel Schattierungen aufweisen kann, sagt die Erfahrung vieler Erzieher, dass es für noch sehr kleine Kinder besser ist, keine hoch entwickelten elektronischen Geräte zu haben (Tablets, Smartphones, Spielkonsolen usw.). Auch aus Gründen der Mäßigkeit ist es ratsam, dass sie der ganzen Familie gehören und dass man sich bemüht, sie für gewöhnlich in Gemeinschaftsräumen zu verwenden, in der Absicht den Kindern zu helfen, sie maßvoll zu verwenden, sich an Familienregeln und an Zeitpläne zu halten, damit ihnen genug Zeit zum Lernen, für die Erholung und für das Familienleben bleibt und sie die Zeit gut ausnützen und ausreichend schlafen können.

Während der Zeit, in der die Kinder die Vorteile und die Grenzen der digitalen Welt kennenlernen, ist es gut, ihnen klar zu machen, wie wertvoll der direkte menschliche Umgang ist, der durch keine Technik ersetzt werden kann. Im passenden Augenblick muss man sie wie ein guter Bergführer durch die digitale Welt begleiten, damit sie sich weder selbst noch den anderen Schaden zufügen. Das gemeinsame Nachschauen im Internet, das “Zeit-Verlieren” bei einem Computerspiel oder das Einstellen eines Smartphones werden gute Gelegenheiten sein, um tiefergehende Gespräche anzuknüpfen. «Eltern und Kinder sollten über das sprechen, was sie im Internet sehen und erleben; hilfreich wird auch sein, Erfahrungen mit anderen Familien auszutauschen, die die gleichen Werte und Interessen haben» viii.

Es wäre übertrieben, wenn sie in dieser Altersstufe Geräte hätten, die ständig mit dem Internet verbunden sind. Es ist besser, wenn sie sich an einen Zeitplan für den Zugang halten und nur an bestimmten Orten und zu festgelegten Zeiten verbunden sind (und in der Nacht die Verbindung trennen oder das Gerät abschalten). Gleichzeitig zeigt man ihnen, wie man sich vor gefährlichen Situationen schützt. Wie der heilige Josefmaria lehrte, können sie sich ruhig jederzeit an die Eltern wenden: «Das Ideal für die Eltern liegt vielmehr darin, Freunde ihrer Kinder zu werden, Freunde, denen sie ihre Sorgen anvertrauen, mit denen sie ihre Probleme besprechen und von denen sie eine wirksame und wohltuende Hilfe erwarten können» ix.

Jugendliche

Sobald die Kinder in die Pubertät kommen, verlangen sie mit Nachdruck nach einigen Freiheiten, mit denen sie in vielen Fällen nicht richtig umzugehen wissen. Das bedeutet nicht, dass man ihre Autonomie, die ihnen zusteht, einschränken soll. Es geht um etwas viel Schwierigeres: man muss ihnen beibringen, ihre Freiheit verantwortungsvoll zu verwenden. Nur dann werden sie in der Lage sein, eine Weitsicht zu bekommen, die es ihnen ermöglicht hohe Ziele anzustreben.

Benedikt XVI. betont, «dass Erziehen darin besteht, die Menschen mit wahrer Weisheit zu erfüllen, die den Glauben mit einschließt, um in Kontakt mit der Welt zu treten, und sie mit ausreichenden Elementen im Bereich des Denkens, der Affekte und der Urteile ausstattet» x. In der Jugend wird die Bildung freiwillig angenommen, und die Eltern verfügen neben den üblichen Regeln des Familienlebens über ein wichtiges Hilfsmittel: den Dialog. Es ist wichtig, das Warum einiger Verhaltensregeln zu erklären, die von den Jugendlichen vielleicht als reine Formsache angesehen werden; oder einige Handlungsweisen zu begründen, die als Einschränkungen angesehen werden können. In Wirklichkeit sind es nicht nur Verbote, sondern großartige Bestätigungen all dessen, aus dem eine echte Persönlichkeit geschmiedet wird, die auch gegen den Strom zu schwimmen versteht. Es ist viel wirksamer, die Tugend schon jetzt als etwas Anziehendes darzustellen, und ihnen die großen Ideale vor Augen zu halten, die ihre Herzen erfüllen, wie auch die große Liebe, die sie bewegt: die Treue zu ihren Freunden, die Hochachtung der anderen, die Notwendigkeit maßvoll und bescheiden zu leben, usw.

Die Arbeit der Eltern fällt leichter, wenn sie die Interessen ihrer Kinder kennen. Es geht nicht darum sie auszuspionieren, sondern eine ausreichende Vertrauensgrundlage herzustellen, um es den Kindern leicht zu machen über das zu sprechen, was sie anzieht, um das kennenzulernen, was sie interessiert, und um gegebenenfalls Zeit und Hobbies mit ihnen zu teilen. Es gibt Jugendliche, die „Blogs“ schreiben oder die soziale Netzwerke benützen, und Eltern, die sie nicht kennen oder noch nie einen dort stehenden Text gelesen haben. Die Kinder könnten daher denken, dass die Eltern sich nicht für das interessieren, was sie tun, oder dass es ihnen nicht gefällt. Würden die Eltern mit einer gewissen Regelmäßigkeit nachschauen, was ihre Kinder im Internet schreiben oder erstellen, ergäbe das für einige von ihnen eine angenehme Überraschung und es wäre ein Thema für die Bereicherung der Unterhaltung und des Familienlebens.

Auch in diesem Alter empfiehlt es sich, auf den Wert der maßvollen Verwendung der Geräte, Gadgets und Programme (Apps usw.) hinzuweisen. Man muss ihnen beibringen, losgelöst zu leben, nicht nur wegen der Kosten der Hardware und der Software, sondern um «sich (nicht) von den Leidenschaften beherrschen zu lassen, eine Erfahrung nach der anderen zu machen, ohne Unterscheidung den Moden der Zeit zu folgen» xi, was gelegentlich ein von den Unternehmen angeregtes Verhalten ist, dem man sich nicht leicht entziehen kann.

Das wird auch eine Gelegenheit sein ihnen beizubringen, maßvoll mit der Zeit umzugehen, die sie in sozialen Netzwerken, mit Video- und mit Online-Spielen verbringen, usw. Werden ihnen diese Richtlinien zuhause vorgegeben, sind die “Erklärungen” sehr wichtig und vor allem das stimmige Verhalten der Eltern. Leben sie es ihnen vor, ist das die beste Art, ihnen diese Dinge in einer Atmosphäre der Zuneigung und der Freiheit nahezubringen.

Man benötigt kein fortgeschrittenes technisches Wissen, um das Warum erklären zu können. Die Ratschläge, die die Jugendlichen für das Zurechtkommen in der digitalen Welt brauchen, sind in vielen Fällen die gleichen wie jene, die das Verhalten in der Öffentlichkeit absichern: ein gutes Benehmen, Zurückhaltung und Schamhaftigkeit, Respekt gegenüber dem Nächsten, Bewahrung des Blicks, Selbstbeherrschung, usw.

Ganz entscheidend sind die – auf das Alter jedes Kindes angepassten - ausführlichen Gespräche über das Gestalten der Zuneigung und der echten Freundschaft. Es ist nützlich, die Kinder darauf aufmerksam zu machen, dass alles, was im Internet veröffentlicht wird, normaler Weise einer Unzahl von Menschen aus der ganzen Welt zugänglich ist, und das so gut wie alles, was man in den digitalen Medien tut, eine unauslöschliche Spur hinterlässt, auf die man mit der Hilfe von Suchprogrammen zugreifen kann. Die digitale Welt ist ein großartiger Raum, in dem man sich ganz natürlich und gleichzeitig immer mit viel Hausverstand bewegen muss. So wie es keinem Kind einfällt, den Erstbesten anzusprechen, dem es auf der Straße begegnet, so sollte das auch für das Internet gelten. Ein lebendiger familiärer Austausch wird helfen all das zu verstehen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der die Zweifel geklärt und die Unklarheiten ausgesprochen werden können.

Juan Carlos Vásconez

i Benedikt XVI., Botschaft zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikation (2011).

ii Benedikt XVI., Botschaft zum 47. Welttag der Sozialen Kommunikation (2013).

iii Benedikt XVI., Botschaft zum 43. Welttag der Sozialen Kommunikation (2009).

iv Franziskus, Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, 21.9.2013, Nr. 3.

v Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel, Die Kirche und das Internet, (2002), Nr. 11.

vi Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1839.

vii Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 27.

viii Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel, Die Kirche und das Internet, (2002), Nr. 11.

ix Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 27.

x Benedikt XVI., Ansprache an die italienischen Bischöfe, 27.5.2008, “Die Dringlichkeit der Erziehung”, Nr. 11

xi Franziskus, Ansprache in der Basilika Santa María Maggiore, 4.5..2013, Nr. 3.